Willy Brandt, Richard von Weizsäcker, Hans-Dietrich Genscher: drei Patrioten, die an Europa glauben

Von Gunter Hofmann

Bonn, im Dezember

Als wäre es ihm aus dem Herzen gesprochen, zitierte Richard von Weizsäcker gelegentlich einmal, als die deutsche Einheit noch nicht in Sicht war, einen Satz aus der kleinen taz: „Die anderen haben eine Nation, wir eine nationale Frage’.“

Beim öffentlichen Nachdenken über Patriotismus in Deutschland, wie er es gerne gepflegt hat, formulierte der Bundespräsident im November 1987 den Satz vom Patriotismus, der immer „eine Patria“ habe. Er antwortete damit auf das Wort Dolf Sternbergers vom Verfassungspatriotismus. An dem Begriff fehlte ihm das Spezifische. Unverblümt sprach Richard von Weizsäcker denn auch von dem „deutschen Patriotismus“, um den es doch gehe.

Nicht nur bei ihm, auch bei Willy Brandt und Hans-Dietrich Genscher macht man am Ende dieses Jahres mit seinen osteuropäischen Umwälzungen, die auch Ostdeutschland erfaßten, die eigentümliche Beobachtung, daß für sie auf die „deutsche Frage“ nun zwar eine Antwort gefunden ist – aber damit ist es auch gut, und nun soll über Konkretes statt über Identität und Nation geredet werden.

Jetzt geht es darum, da sind sich alle drei einig, die Einheit praktisch zu verwirklichen. Ein einiges Europa wünsche er sich noch zu erleben, schilderte der Alterspräsident Brandt vor dem ersten frei gewählten gesamtdeutschen Parlament seit 57 Jahren im Berliner Reichstag seine Gefühlslage.