In den goldenen achtziger Jahren war Rupert Murdoch, dem amerikanisch-australischen Medientycoon, ein Problem gänzlich unbekannt: Geldnot. Wann immer er Mittel brauchte, um die rasante Expansion seines internationalen Medienreiches zu finanzieren, halfen ihm Banken eilfertig mit Millionenkrediten aus.

Doch das hat sich inzwischen nachhaltig geändert. Zur Zeit bettelt Murdoch bei seinen Banken um Kreditverlängerung – bisher noch ohne konkretes Ergebnis. Da weltweit seine Geschäfte schlechter laufen, droht nun der von ihm aufgehäufte Schuldenberg von 8,1 Milliarden Dollar sein Imperium unter sich zu begraben. Die Börsianer jedenfalls sehen für Murdochs Holding, die News Corporation, offensichtlich schwarz: Der Wert der Aktie ist auf ein Drittel des Jahreshöchststandes gesunken. In der vergangenen Woche sackte der Börsenkurs an einem Tag um zwanzig Prozent.

Um die dringend benötigten Gelder aufzutreiben, sucht Murdoch zur Zeit Käufer für verschiedene Unternehmensteile. Die Umstände dafür sind jedoch alles andere als günstig. Die Vereinigten Staaten, Murdochs mit großem Abstand wichtigster Medienmarkt, sind konjunkturell auf Talfahrt. In Australien ist die Lage nicht viel besser, und Großbritannien erlebt eine Rezession. Bei Notverkäufen dürften Unternehmen, Titel und Lizenzen aus der Murdoch-Kollektion weit weniger als die Summen erzielen, mit denen sie bilanziert sind. Denn in der Vergangenheit hat News die Wertansätze dank der großzügigen australischen Bewertungsrichtlinien kräftig nach oben gesetzt, um die nötigen „Sicherheiten“ für immer neue Kredite zu schaffen.

Bereits im vergangenen Jahr verkaufte Murdoch das Magazin The Star in den Vereinigten Staaten für 400 Millionen Dollar und einen Anteil von 49 Prozent an der South China Morning Post in Hongkong für 280 Millionen Dollar. In den vergangenen Monaten löste sich News von Beteiligungen an der Nachrichtenagentur Reuters und dem britischen Mischkonzern Pearson, mit dessen Medieninteressen Murdoch einmal große Kooperationsabsichten hatte. Um Kosten zu sparen, legte Murdoch in Australien seine Morgen- und Abendzeitungen in Melbourne und Sidney zu jeweils einer Zeitung zusammen.

Der 59jährige Murdoch hat in der Vergangenheit mehrmals bewiesen, daß er ein einfallsreicher, wagemutiger und bisweilen brutal harter Unternehmer im Mediengeschäft ist. In seinem Geburtsland startete er mit dem Australien die erste national verbreitete Tageszeitung dieses Kontinents. In England erwarb er vor über zwanzig Jahren für wenig Geld den Titel Sun und machte daraus ein, gemessen an Auflage und Profit, höchst erfolgreiches Boulevardblatt. In London besiegte der treue Parteigänger von Margaret Thatcher die mächtigen Druckgewerkschaften durch den Bau eines neuen Druckzentrums auf der grünen Wiese.

In den Vereinigten Staaten trat Murdoch als Konkurrent zu den „Networks“, den drei etablierten großen Fernsehgesellschaften, an. Um seine Fernsehstation aufbauen zu können, nahm Murdoch sogar die amerikanische Staatsbürgerschaft an, da Ausländern der Besitz von Fernsehsendern verboten ist. In Großbritannien startete er mit Sky TV das erste Satellitenprogramm, um damit das Duopol der öffentlich-rechtlichen BBC und der privaten ITV-Kette zu brechen.

Der hemdsärmelige Abenteurer begann seine Karriere im heimatlichen Australien, wo er von seinem Vater zwei Zeitungen in Adelaide erbte. Er setzte seinen Fuß in die Londoner Fleet Street, erweiterte seine Interessen in Australien und im pazifischen Raum und ging dann in die Vereinigten Staaten, deren Lebenstil und kommerzielle Praktiken er schätzte und wo er auch die größeren geschäftlichen Chancen sah. Eine bunte Sammlung von Zeitungen (Times) und Zeitschriften (TV Guide), Buchverlagen (Harpercollins) und Druckereien, Filmproduktionen (Twentieth Century Fox) und Fernsehgesellschaften (Fox, Sky TV), dazu der halbe Anteil an der australischen Fluggesellschaft Ansett kaufte er sich im Laufe der Jahre zusammen. Von Großbritannien abgesehen, hat Murdoch Europa erst in jüngster Zeit entdeckt. Er stieg mit kleinen Beträgen bei zwei Zeitungen in Ungarn ein und beteiligte sich in Deutschland an einer Druckerei der Burda-Gruppe, mit der er auch eine gemeinsame Boulevardzeitung für das Gebiet der ehemaligen DDR plant.