Brot und Spiele: Die Chefs rühren allerlei an, um Genuß zu zelebrieren

Von Sibylle Zehle

Als Hans-Peter Wodarz 1975 seine „Ente“ im Münchner Lehel eröffnete, kam am zweiten Tag ein Nachbar vorbei, der Time/Life-Autor Franz Spelman. Er brachte Gunther Sachs mit und „zwei unglaublich schöne Frauen“. Wodarz zauberte in der Küche und zeigte, was er bei Witzigmann gelernt hatte, und Sachs („Stellt doch die Tische schräger“) gab der ehemaligen Eckkneipe mit den zwei marmorierten Gipssäulen den letzten innenarchitektonischen Schliff. Von da an begann der Höhenflug der Münchner „Ente im Lehel“. Und bei Hans-Peter Wodarz verfestigte sich die Gewißheit, daß Presse und Prominenz für einen Gastronomen äußerst nützlich sind.

Als der Koch 1979 die bayerische „Ente“ in seine Heimatstadt Wiesbaden verlegte, war unter den ersten Gästen auch ein König aus Frankfurts Rotlichtbezirk. „Seine Gorillas belagerten meine Bar, er feierte Gelage, die Presse berichtete, es war fürchterlich.“ Schließlich faßte sich Wodarz ein Herz. Er bat den Genießer aus der Frankfurter Unterwelt, die „Ente“ fürderhin zu meiden. Der Feinschmecker faßte Wodarz am Hals: „Wenn ich einen Tisch will“, zischte er leise, „dann kriege ich auch einen Tisch.“ Und drückte die Daumen im Genick des Kochs noch ein wenig fester zu. Am nächsten Tag war der Bordell-König tot. Im Puff von den eigenen Leuten erschossen. Bei dem Enten-Chef verfestigte sich die Gewißheit, daß Prominenz und Presse nicht unbesehen nützlich sind.

Inzwischen beherrscht Hans-Peter Wodarz das Spiel mit den Mächtigen und Medien fast perfekt. Der Schöpfer des Klassikers „Dialog der Früchte“ ist selber ein Meister der Kommunikation. Seine „Ente“ in Wiesbaden wurde zum Austragungsort für gastronomische Neuvorstellungen, zur Kantine für ZDF-Hierarchen, zum Konferenzraum für Bankiers und Salon für rauschende Feste. Alljährlich bewirtet er ausgewählte Gäste vom „Ball des Sports“, dem Reigen der deutschen Industrie; kaum sind die Tombolagewinne verkündet, rennen sie auch schon zu ihm in raschelnden Roben.

Der Dampf ist raus

Nur im letzten Jahr bekam Gesellschaftsbeobachter Leo, immer dabei beim Ententanz, vor allem stellvertretende Prominenz vor die Kamera (das ist die Prominenz, die Ausschau hält, ob Prominenz da ist). Denn am selben Abend feierte Hubert Burda in St. Moritz und wurde die „Goldene Kamera“ verliehen in Berlin: „Und für drei große Feste“, sah es damals Wodarz realistisch, „gibt es in Deutschland einfach zu wenig Köpfe.“