ARD, Donnerstag, 3. Januar, 20.15 Uhr: „Willkommen im Porscheland. Annäherung an einen Mythos“ – Dokumentation von Michael Busse

Es hat sich bis zu den Manta-Fahrern herumgesprochen: Autofahren macht keinen Spaß mehr. Die blauen Straßenschilder, die „Autobahn“ meinen, aber viel mehr verheißen, nämlich: „Fahrt ins Blaue“, die einen offenen Horizont verheißen, Freiheit und ein berauschendes Selbstgefühl in der rechten schwarze – die Autobahnen sollten schwarze Schilder kriegen, sie sollten Trauer tragen. Denn die soziale Enge, die Platz- und Atemnot und die dazugehörige Aggressivität, denen man im Auto einst entrinnen konnte, die sind nun fast am größten dort, wo mal ein Fluchtweg war.

Das Beste am Autofahren war ja das Unterwegssein, die Zeit, da man nur Autofahrer war, da man Urlaub hatte von allen anderen Verantwortlichkeiten: Man mußte sich auf den Verkehr konzentrieren und erst einmal ankommen. Ein Aufschub aller Lebensnöte und die schöne Illusion, dennoch unterwegs zu sein. Es brauchte nur das Alibi, das Fahrziel, und alle anderen Ziele konnten erst einmal warten. Was für ein wohlfeiles Gefühl von Kraft und Eleganz, wenn man hinterm Lenkrad hockt und alles, was das Auto kann, dem eigenen Vermögen zuschreiben darf.

Und dann der Stau, viel zuviel Zeit, über all dies nachzudenken. Keine Ankunft, keine Abfahrt, und von beidem ein bißchen, armseliges Getucker durch fremde Gefilde – was hat man hier verloren? Endloses Unterwegssein, wenn man sich längst ersehnt, an einem sicheren Orte auszuharren und niemals wieder aufzubrechen.

Hat man nie eine Automobilreklame gesehen, die das Fahrzeug im alltäglichen Gebrauch abbildet? Vor einer Ampel? Hinter einem Lastwagen? Zwischen vielen tausend anderen schönen und starken Limousinen? Das Auto hebt mich heraus aus der Masse der vielen, es gibt mir Freiheit und Macht – doch nur, wenn es auch Flügel hat.

Der Porsche hat beinahe Flügel. Porsche, das ist ein Lebensziel, eine Sekte mit eigenen Riten und Festen, über die ganze Welt verstreut. Porsche-Besitzer sind erfolgreiche Menschen – und sie wollen es zeigen. Am Steuer ihres Flitzers signalisieren sie ihre Umweltdynamik, Tempo, Geschmack. Bei dieser Selbstinszenierung ist die Firma ihren Kunden gern zu Diensten.

Porsche-Clubs, Kunden-Meetings, Gala und mehrere Porsche-Paraden – so wird der Kult ums Auto in Szene gesetzt. Der Rennsport liefert den Sound dieses Wagens, wer ihn fährt, ist eigentlich Rennfahrer.