DIE ZEIT

Zusammen leben oder zusammen untergehen

Das Jahr 1990 begann unter hellen, hohen Horizonten; es endet unter einem jäh wieder verfinsterten Himmel. Die Freiheit, die sich die Völker Osteuropas mutig ertrotzt haben – sie wirkt allenthalben grauer als vordem der Traum von ihr; selbst in der ehemaligen DDR.

Worte des Jahres

„Wir bringen tüchtige Menschen mit ein und eine bezaubernd schöne Landschaft und nicht zuletzt auch eine wichtige Tradition: die brandenburgisch-preußische Toleranz und die Bereitschaft, sich fürs Ganze in die Pflicht nehmen zu lassen, auch über das Parteigezänk hinweg.

Der Kampf um das Imperium

Nach dem achten Tag des 4. Volksdeputierten-Kongresses erlitt der vom militär-industriellen Komplex vorgeschobene, durch das neue Präsidialsystem aber abgeblockte Ministerpräsident Nikolaj Ryschkow einen Herzinfarkt.

Ich melde eine Sau!

Seit Reinhard Mey sie besungen hat und Erich Honecker sie so liebgewann, ist die Diplomatenjagd aus dem Repertoire der Protokollchefs weitgehend gestrichen worden.

Skipisten: Da is ois schwarz

Skivergnügen wie aus dem Bilderbuch: Jugendliche Ski-Cracks brettern die Steilhänge hinunter, Skikursteilnehmer mittleren Alters fahren vorsichtige Bögen um die sanfteren Buckel.

Jürgen Duenbostel:: Abschied vom Boykott

Der Reiz des Verbotenen ist der Extraprofit. Zwischenhändler und Makler, die clever die Sanktionen gegen Südafrika zu umgehen wissen, kassieren ihn für ihre besonderen Dienste.

Medienindustrie: Böses Erwachen

In den goldenen achtziger Jahren war Rupert Murdoch, dem amerikanisch-australischen Medientycoon, ein Problem gänzlich unbekannt: Geldnot.

Bonner Kulisse 1990

Das Jahr der deutschen Einheit: Niemand konnte im Januar ahnen, daß zwölf Monate später von der „ehemaligen DDR“ und von den „fünf neuen Bundesländern“ die Rede sein würde.

Manager und Märkte

Schon Lenin hatte verlangt, die Kommunisten müßten die „Kommandohöhen der Wirtschaft“ besetzen. Entsprechend militärisch ging es in der alten DDR zu.

Tanz auf dem Vulkan

Weit besser als alle Statistiken, die ökonomische Trends meist erst im nachhinein widerspiegeln, zeigen die internationalen Börsen als hochempfindlicher Seismograph, was wirtschaftliche Entscheidungsträger rund um den Globus von der Zukunft erwarten.

Opel gibt kräftig Gas

Dank der deutschen Einheit haben die japanischen Automobilhersteller 1990 erstmals deutlich mehr als eine halbe Million fabrikneue Personenwagen hierzulande verkauft, davon etwa 475 000 im Gebiet der alten Bundesrepublik.

So starb eines Volkes Traum

persönlichkeiten, von denen diese Volker eine ganze Reihe hervorbrachten, nie erreicht. Im Gegenteil, als die Mächte der Alten Welt ihre Kriege auch auf dem Boden der Neuen austrugen, gelang es ihnen, die Differenzen zwischen den Indianern auszunutzen und verfeindete Stamme als ihre jeweiligen Verbündeten zu rekrutieren, die in dem fast achtzigjährigen Ringen zwischen England und Frankreich um die Vorherrschaft in Nordamerika ihre Haut für ferne Könige zu Markte trugen.

VOR VIERZIG JAHREN: Deutsche an die Waffen

Krieg ist wahrscheinlicher als Frieden! Dies war die Botschaft, die die Welt in der vergangenen Woche aus Brüssel vernahm. Auf seiner sechsten Session beauftragte der Atlantik-Rat – die Außen- und Verteidigungsminister jener zwölf Mächte, die 1949 den Nordatlantikpakt unterzeichneten – General Dwight D.

Ein Angriff auf die Entspannung

BONN. – Die Annexion des souveränen Staates Kuwait durch den Irak liegt bereits mehr als vier Monate zurück. Seitdem hat sich Kuwait, ein einst friedliches, blühendes und sicheres Land, in einen Ort der Zerstörung und Verwüstung verwandelt.

Wir wollten uns zurückhalten

Niemand, kein einziger Mensch, kann in einem solchen Regime etwas für seine Mitmenschen tun, ohne auf fast unlösbare moralische Fragen eine unvollkommene Antwort geben zu müssen.

Tödlicher Frühlingstanz

Ereignisgeschichtlich ist der Anfang des Großen Krieges – wie man den Ersten bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges genannt hat – genau zu bestimmen.

BUCH IM GESPRÄCH: Das vergoldete Kreuz

Wer sich darüber wundert, daß die großen Kirchen in Deutschland immer weniger Gläubige, aber immer mehr Geld haben, daß sie jetzt ihr bequemes und vergoldetes Kirchensteuerrecht mit den Inkassopflichten des Staates auch auf Ostdeutschland ausdehnen konnten – der kann jetzt ein sehr entschieden geschriebenes, fast höhnisches Buch in die Hand nehmen, das der katholischen und evangelischen Kirche die Absurditäten ihrer fetten Existenz lückenlos vorhält und gleichzeitig ein großes Fragezeichen über der Lammfrommheit der Deutschen macht, über ihrer skurrilen und bigotten Zahlungswilligkeit, ihrem Mangel an demokratischem, kritischem Verständnis und vor allem über ihrem fehlenden Änderungswillen.

Freche Sachen, auch zum Lachen

Natürlich ist es verlockend, lieber zur Süddeutschen Zeitung vom letzten Mittwoch oder Samstag zu langen, zur frischen Ware vom Weltwochenmarkt der Politik, als zu einem Buch, um ihn zu präsentieren – den Karikaturisten Ernst Maria Lang.

Zeitmosaik

Aus Paul Scheerbarts (1863-1915) unter dem Titel „Immer mutig!“ erschienenem „Phantastischen Nilpferdroman mit 83 merkwürdigen Geschichten“ (1902), der jetzt als Band 257 der „Phantastischen Bibliothek“ im Suhrkamp Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, wieder erschienen ist (200 Seiten, 10 Mark).

„Freudiana“ - der Traum ist aus

Da sitzt er nun auf der berühmten Couch, er kann nicht anders. Erik, der vergessene Tourist, der verliebte Jüngling, der verklemmte Intellektuelle.

Das Fest der falschen Glatzen

Es war einmal ein Autor. Durch Enthüllungen und Skandale, Rücktritte und Prozesse wurde er weltberühmt. Seine Enthüllungen verpackte er in Theaterstücke.

Die Metamorphose der Hose

Herr S. leidet an der Häßlichkeit der Welt. Mischt er sich mal unter das gemeine Volk, kann er sich „nur mit Grausen abwenden.

Wenn Narren plappern, wenn Narren schweigen

Gleich wird wieder gelacht. Der Kabarettist wendet sich der leise glucksenden Menge zu. Einen Augenblick lang hält er inne. Plötzlich schiebt er das Kinn nach vorne, wölbt die Lippen, blast die Backen auf und läßt die Luft, untermalt von einem blubberndem Singsang, wie aus einem prallen Luftballon entweichen.

So geht das immer weiter

Die Normalität ist verrückt. Das ist ein altes Thema der Literatur, die mit dieser Wahrheit wie in so vielen Fällen den Wissenschaften vorauseilte.

Den Kram hinschmeißen

Unlängst, in einem Theaterstück des Dichters Johannes Kühn, war ein permanentes Türenschlagen die wichtigste Inszenierungsidee des Regisseurs.

Fernseh- Vorschau: Fliegende Kisten, einsame Pisten

Es hat sich bis zu den Manta-Fahrern herumgesprochen: Autofahren macht keinen Spaß mehr. Die blauen Straßenschilder, die „Autobahn“ meinen, aber viel mehr verheißen, nämlich: „Fahrt ins Blaue“, die einen offenen Horizont verheißen, Freiheit und ein berauschendes Selbstgefühl in der rechten schwarze – die Autobahnen sollten schwarze Schilder kriegen, sie sollten Trauer tragen.

Fernseh-Kritik: Zusätzliche Christen

Wenn schon die Horzu angesichts der fünften Pfarrer-Serie im deutschen Fernsehen besorgt fragt: „Wieviel Kirche verträgt der Mensch?“, muß nun wohl die Schwarzrockerei als Plage eingestuft werden.

DAS LETZTE

Drittens: Die Großwetterlage hat sich im Jahr 1981 nicht gebessert. Ein Klimasturz ist weniger denn je auszuschließen. Wohl bemühten sich die Europäer nach Kräften, ihrem geteilten Kontinent einen Temperatursturz zu ersparen, aber so tief konnten sie sich gar nicht ducken, daß die eisigen Winde aus dem Hindukusch sie nicht dennoch gestreift hätten.

Betrifft: „Werner – beinhart“: Servus Willi

Es muß aber trotzdem sein. Willi Winkler hat „Werner – beinhart“ im Spiegel 50/90, wie man in Frankfurt sagt, in der Luft verroppt wie e aal, dreckelich Trambahnkätsche (in der Luft zerrissen wie einen alten, angeschmutzten Straßenbahnfahrschein), und jetzt kriegt er einen auf die Nuß, bzw.

Sehnsucht nach der Ferne

Zu Ende des Jahres sind die deutschen Reiseveranstalter guter Dinge und verbreiten jenen sonnigen Optimismus, der unabdingbar zum Geschäft mit dem Ferienglück gehört.

Kaufen oder leihen?

Der Winter, von Pessimisten bereits totgesagt, feiert rechtzeitig zum Saisonbeginn ein flockenreiches Comeback. Doch viele einst teuren Ski sehen nach den schneearmen Wintern ziemlich mitgenommen aus.

+ Weitere Artikel anzeigen