Von Julia Tugendhat

Am Dienstag vor einer Woche waren wir in den Buckingham-Palast geladen – mein Mann sollte den Ritterschlag empfangen. Trotz einiger Bedenken und in der Hoffnung, daß es nicht als Prahlerei verstanden wird, will ich über dieses Ereignis berichten; die Redaktion ließ nicht locker...

Der Order folgend, reihten wir uns pünktlich um zehn Uhr früh in die Autoschlange ein, die vor dem Palast auf Bomben untersucht wurde. Nach der Sicherheitskontrolle wurden die künftigen Würdenträger am Eingang von den beiden Gästen, die sie begleiten durften, getrennt. Da unsere Söhne in dem schwierigen Alter sind, wo sie nicht wissen, ob sie sich angesichts des väterlichen Aufstiegs stolz oder entsetzt zeigen sollen, lud mein Mann seine Mutter ein.

Während mein Mann zur Vorbereitung auf die Zeremonie in einen Prunksaal geleitet wurde, führte man uns eine breite Treppe hoch, auf der Gardesoldaten der Kavallerie in Helmen mit prächtigem Federschmuck und Brustharnisch Spalier standen. Beim Gang durch den roten, den weißen und den goldenen Empfangssaal sah ich unzählige Porträts von Königin Viktorias Verwandtschaft deutscher Seite, wobei, wie mir schien, die meisten August und Friedrich hießen. In regelmäßigen Abständen waren Gardeoffiziere der Infanterie in Ausgehuniform und zahlreiche Bedienstete der königlichen Hofhaltung postiert, um sicherzustellen, daß wir keine falsche Bewegung machten.

Man führte uns zu unseren Sitzplätzen im Thronsaal, wo die Kapelle des irischen Gardekorps Straußwalzer und Volksweisen spielte. Als alle ihre Sitzplätze eingenommen hatten, wurden wir unterwiesen, wann wir aufzustehen hätten, und ermahnt, nicht Beifall zu klatschen und während der Zeremonie leise zu sein.

Punkt elf Uhr trat die Königin mit Haushofmeister und Gefolge ein, und wir erhoben uns zur Nationalhymne. Hinter ihr stand ihre persönliche Leibwache, fünf königliche Leibgardisten – auch Beefeater genannt – in der traditionellen roten Tracht mit gelbem Besatz. Sie führten angsteinflößende Lanzen mit sich. Vor einigen Monaten war während einer solchen Veranstaltung einer der Beefeater zusammengebrochen. Zum Glück fiel seine Lanze nicht dorthin, wo die Königin stand, die in aller Ruhe in ihrer Pflichterfüllung fortfuhr, während hilfreiche Geister lautlos mit einer Krankentrage umherhuschten. Daß die Königin ruhig Blut bewahren würde, war durchaus zu erwarten, hatte sie doch, wie man weiß, vor ein paar Jahren äußerst gefaßt auf den Eindringling in ihrem Schlafgemach reagiert. Diesmal schienen sich die Leibgardisten trotz vorgerückten Alters bester Gesundheit zu erfreuen. Auch die beiden Gurkhas aus Nepal, die in grünen Uniformen und den kleinen runden Pillbox-Hüten zackig hereinmarschierten, wirkten topfit.

Eigentlich hätten die sechs Ritter als erste ihre Orden erhalten müssen. An diesem Tag dagegen wurden wir Zeugen eines seltenen Ereignisses – ein junger Stabsfeldwebel bekam das Georgskreuz verliehen. Dieser Orden ist die höchste Auszeichnung für Tapferkeit in Friedenszeiten. Beim Einsatz in Nordirland hatte er vierundzwanzig Bomben entschärft. Beim Entschärfen seiner fünfundzwanzigsten, die ein angrenzendes Krankenhaus gefährdete und die er ohne andere Hilfe unschädlich machen wollte, wurde er schwer verletzt. Selbst als er hochgegangen war, erteilte er noch Instruktionen.