Von Dirk Kurbjuweit

Hinter Operettenhaus und Bavaria-Brauerei liegt in Hamburg das Hafenkrankenhaus. Nicht weit davon dehnt sich das Heiligengeistfeld, wo viermal im Jahr Kirmes ist. Der FC St. Pauli spielt ganz in der Nähe. Und nach fünf Minuten Fußweg ist man auf der Reeperbahn.

Die Chirurgen im Hafenkrankenhaus sind Spezialisten für Messerwunden. Sie kennen sich auch gut darin aus, Lebensmüde nach einem Sprung aus dem dritten Stock zusammenzuflicken. Auf der Inneren kämpfen Fixer und Alkoholiker gegen das Gift in ihrem Körper.

Ein Tag im Hafenkrankenhaus kostet je Patient 440 Mark, und das ist einer der höchsten Pflegesätze in der Bundesrepublik. Das Hospital sei unwirtschaftlich und deshalb zu schließen, empfiehlt ein Gutachten aus dem Jahr 1985. Seitdem wird gestritten, und seitdem wurde das Hafenkrankenhaus zum Symbol für eine der drängendsten Fragen des Gesundheitswesens: Wieviel dürfen Krankenhäuser kosten?

Ein Drittel ihres Gesamtetats geben die Krankenkassen für die rund 3100 Hospitäler im Westen Deutschlands aus: vierzig Milliarden Mark; soviel setzt ein Weltkonzern wie Bayer um. Fast hatte man sich an die teuren Krankenhäuser gewöhnt, doch nun explodieren die Kosten geradezu. Eine Steigerungsrate von acht Prozent in diesem Jahr ist schon schwer zu verkraften. Doch für 1991 fordern zum Beispiel die Hamburger Kliniken sogar 17,5 Prozent. Behrend Behrends, Geschäftsführer der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) in der Hansestadt: „Wir werden das nicht mehr mitmachen, die Krankenhäuser müssen endlich sparen.“

Experten schätzen, daß die Krankenhäuser ohne weiteres zehn Prozent ihrer Kosten vermeiden könnten. Demnach würden vier Milliarden Mark mutwillig oder fahrlässig verschleudert – Geld, das die Versicherten mit ihren Beiträgen aufzubringen haben.

Im Rahmen der Gesundheitsreform unternahm Bundesarbeitsminister Norbert Blüm nur einen sehr zaghaften Versuch, die Hospitäler auf Sparkurs zu zwingen. Zwar können die Kassen jetzt verschwenderischen Krankenhäusern die Zusammenarbeit aufkündigen, und die niedergelassenen Ärzte sollen unter anderem anhand von Preisvergleichslisten entscheiden, in welche Klinik sie ihre Patienten einweisen. Doch diese Regeln wurden bislang kaum angewandt. Ohnehin wäre der Kostenmoloch Krankenhaus so nicht in den Griff zu bekommen. Denn das ganze Finanzierungssystem ist faul.