Böhmen: wie weit weg war diese Landschaft. Und ist durch Gorbatschow und Havel nun auch wieder nah. Da trifft es sich gut, daß Effi Biedrzynski den 43. Goethe-Kalender, den sie im handlichen Format klassischer Taschenbücher herausbringt, den Aufenthalten des Dichters in den Kurbädern am Fuß der Granitberge widmet. Siebzehnmal ist Goethe in der Reisekutsche von Weimar nach Marienbad, Karlsbad, Franzensbad gerumpelt und hat 1114 Tage in Böhmen verbracht (in Italien „nur“ 683). Er hat das Land, die Leute gemocht und die Badekuren in fröhlicher Gesellschaft genossen. Beim letzten Aufenthalt, im Sommer 1823, verliebt sich der Vierundsiebzigjährige in ein siebzehnjähriges Mädchen, Ulrike von Le/etzow – und schickt seinen Herzog gar als Brautwerber los. Die „bittersüße“ Geschichte, die das große Gedicht der (in der Kutsche zurück nach Weimar, auf den Knien geschriebenen) „Marienbader Elegie“ hervorbrachte – hier ist sie nachzulesen, bis hin zu den Damenhandschuhen, die Goethe mit dem Vermerk „Carlsbad 1823“ in einer seiner Schreibtischladen bis zum Tod verwahrt hat. Wie immer in diesem schönen Jahrbuch stehen auf der linken Seite Zitate aus Goethes Werk für jeden Tag und gegenüber kluge Kommentare und die kleine, anschauliche Erzählung über Goethe in Böhmen. (112 Seiten, 20 Bilder, 9,80 Mark) im