Eine Rechnung mit Unbekannten

Auguren führen ein riskantes Leben. Jeder will von ihnen wissen, was die Zukunft bringt. Doch selbst wenn sie ihr Handwerk noch so gut beherrschen, können sich die Volkswirte der Banken in ihrer Einschätzung des Trends täuschen. Dennoch müssen sie eine Aussage treffen, weil ihre Kunden disponieren wollen.

Besonders schwierig sind Vorhersagen über die Entwicklung der Finanzmärkte im kommenden Jahr. Vieles hängt davon ab, auf welche Weise die Krise am Golf gelöst wird und wie lange ein möglicher Krieg dauern würde. Hinzu kommen weitere politische Unsicherheitsfaktoren wie der Umbruch in der Sowjetunion.

Die meisten der Banken und Finanzhäuser, die sich an der ZEIT/Südprojekt-Prognose beteiligen, scheinen mit einem für die Industrieländer günstigen Ausgang des Golfkonfliktes und einer Fortsetzung der Perestrojka zu rechnen. Der gewichtete Durchschnittswert ihrer Erwartungen (siehe „Die Methode“) ergibt für die nächsten sechs Monate quasi eine „Seitwärtsbewegung“ für die Aktienbörsen, wobei die Chancen für deutsche Aktien etwas günstiger eingeschätzt werden als für amerikanische. Auch die Zinsen sollen sich danach nur wenig verändern.

Wie schnell sich die Lage durch unerwartete Ereignisse jedoch ändern kann, hat vergangene Woche der überraschende Rücktritt des sowjetischen Außenministers Schewardnadse gezeigt: Der Coup löste einen Run auf den Dollar aus, der prompt um drei Pfennig auf über 1,51 Mark anzog. per

Die Methode

Aktien, Zinsen, Währungen, Gold: Jeden Monat erscheint im Wirtschaftsteil die ZEIT/Südprojekt-Prognose.