Das Massaker der 7. US-Kavallerie an den Sioux-Indianern am Wounded Knee

Von Ronald D. Gerste

Ich wußte damals nicht, wieviel zu Ende ging Wenn ich heute von dem hohen Berg meines Alters zurückblicke, kann ich sehen, daß noch etwas anderes dort in dem blutigen Schlamm starb und vom Schnee begraben wurde Eines Volkes Traum ist dort gestorben Es war ein schöner Traum Schwarzer Elch

Drei Tage lang hatte ein Schneesturm getobt und den Ort des Geschehens wie mit einem riesigen Leichentuch überdeckt Am Neujahrsmorgen näherte sich eine Gruppe Berittener mit mehreren Planwagen aus der nächsten Ansiedlung, dem achtzehn Meilen entfernten Pine Ridge, Sitz der für dieses Gebiet zustandigen Indianeragentur Die Manner betraten eine gespenstische Szene Skeletten ähnlich, ragten die zerstörten Tipis aus dem Schnee, an ihren Stangen Fetzen von Leinwand oder Buffelfell, die im eisigen Wind hin- und herschaukelten Das Feld war übersät mit zerstörten Wagen und armseligen Haushaltsgeraten Das Grauenerregendste jedoch waren die sterblichen Uberreste der Menschen, die hier den Tod gefunden hatten In der Kalte steifgefroren, waren sie zu grotesken Figuren erstarrt

Die Manner hoben ein zehn Meter langes Massengrab aus, um die Toten beizusetzen Wahrend dieser Arbeit erklangen immer wieder Ausrufe voll ungläubigen Entsetzens Unter der Schneedecke, zwischen all den Toten, gab es noch Leben Mehrere, zum Teil verletzte Indianer hatten den Blizzard überstanden, ein Baby lag unter dem schützenden Korper seiner toten Mutter

Die Uberlebenden wurden in die Wagen gelegt und nach Pine Ridge gebracht Dort war die kleine Kirche des Ortes zu einem Notlazarett umfunktioniert worden, lagen und starben seit drei Tagen die notdürftig versorgten Verwundeten An der Decke hing noch die Weihnachtsdekoration, in ihrer Mitte ein handgeschriebenes Transparent, nun ungewollt zynisch wirkend „Und Friede auf Erden“

Inzwischen hatten die Manner ihre Arbeit am Massengrab beendet Pietät war es nicht, was die meisten von ihnen für diese Arbeit motivierte, eher Profanes Die Behörden hatten eine Prämie von zwei Dollar pro bestattetem Toten versprochen Einigen immerhin ging das Erlebnis nahe, wie jenem Zeugen, der sich spater seiner Empfindungen erinnerte „Es konnte das Herz eines Mannes erweichen, auch wenn es aus Stein wäre, mitansehen zu müssen, wie diese kleinen Kinder, ihre Korper in Stucke geschossen, nackt in die Grube geworfen wurden “