Weit besser als alle Statistiken, die ökonomische Trends meist erst im nachhinein widerspiegeln, zeigen die internationalen Börsen als hochempfindlicher Seismograph, was wirtschaftliche Entscheidungsträger rund um den Globus von der Zukunft erwarten. Dieses Frühwarnsystem läßt nichts Gutes ahnen. Noch hoffen zwar viele, daß die Party – nach einer kleinen Verschnaufpause – fröhlich weitergeht. Doch allen ist inzwischen offenbar eines klar: Sie tanzen auf einem Vulkan.

Zunehmend besorgt reagiert die amerikanische Notenbank auf die immer labilere Lage. Trotz steigender Preise in den Vereinigten Staaten hat sie den Diskontsatz von 7 auf 6,5 Prozent gesenkt. Fast aber scheint es, als sei ihr die Kontrolle über das Wirtschaftsgeschehen bereits teilweise aus den Händen geglitten. Statt wie in der Vergangenheit sofort zu reagieren, stellten sich die Banken erst einmal stur. Erst nach zweitägigem Zögern folgte ein einziges größeres Kreditinstitut, die First National Bank of Chicago, der Vorgabe der Währungshüter. Sie nahm die Zinsen von 10 auf 9,5 Prozent zurück. Schon die beiden vorangegangenen Zinssenkungen der Federal Reserve Bank sind von den amerikanischen Geldverleihern weitestgehend ignoriert worden.

Fraglich ist gegenwärtig ohnehin, ob Unternehmen und Verbraucher überhaupt noch durch billigere Kredite animiert werden können, ihre Ausgaben zu erhöhen. Wer seine Waren nicht verkaufen kann, braucht auch keine noch so billigen Kredite, Investitionen rentieren sich dann einfach nicht. Und Konsumenten, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben, halten gewöhnlich ihr Geld eisern zusammen, mhf