Hochverzinsliche deutsche Staatsanleihen werden für die Anleger zu den Rennern des Jahres 1991

Von Udo Perina

Große Hoffnungen hatten Sparer und Geldanleger in das Jahr 1990 gesetzt. Der Umbruch in Mittel- und Osteuropa, die Vereinigung Deutschlands, der Sieg des Kapitalismus über den Sozialismus, so hofften viele, würde schnell zu einem Boom im Westen und zu einem Kursfeuerwerk an den Börsen führen.

Doch die Bilanz des Jahres eins nach Honecker ist enttäuschend. Viele Wertpapierdepots sind heute weniger wert als vor zwölf Monaten. Die Finanzwirtschaft wichtiger Industrieländer steht am Rande einer Krise. Von der Wall Street werden Massenentlassungen in bisher ungekanntem Ausmaß gemeldet. In Japan klagen die größten Banken der Welt über Gewinneinbrüche.

Und auch in Deutschland, wo die Konjunktur robuster als anderswo zu sein scheint, sind die Kreditinstitute zu hohen Abschreibungen auf ihren Wertpapierbesitz gezwungen. Selbst der Gewinn der Deutschen Bundesbank wird wegen der Dollarschwäche geringer ausfallen, als von Bundesfinanzminister Theo Waigel erhofft.

Besonders hart traf es 1990 die Besitzer von Aktien. Im Spätsommer büßten die Kurse an den meisten Weltbörsen zwischen zwanzig und dreißig Prozent ein. Zwar stabilisierte sich die Lage im Oktober etwas, doch die Kriegsgefahr am Golf sowie die Probleme in der Sowjetunion sorgen für anhaltende Unsicherheit auf dem Börsenparkett. Deutsche Aktien, deren Kurse im Sommer noch einen historischen Höchststand erreicht hatten, sind zum Jahresausklang rund zwanzig Prozent weniger wert als zu Jahresbeginn. Ähnlich sieht es an den meisten anderen Börsen aus.

Der Kursrutsch am Aktienmarkt läßt sich nicht nur mit den wirtschaftlichen und politischen Ereignissen erklären. Seine Ursachen liegen auch in den spekulativen Exzessen des vergangenen Jahrzehnts. In den Boomjahren bis 1987, als Geld billig und leicht zu beschaffen war, hatten Spekulanten die Aktiennotierungen in astronomische Höhen getrieben. Die Kurse standen in keinem realistischen Verhältnis mehr zu den Renditen.