Von Hans Dieter Zimmermann

Gefangen bist du, Traum, Dein Knöchel brennt, Zerschlagen im Tellereisen Peter Huchel

Die Akademie der Künste der DDR geht ihrem Ende entgegen; nur ihre Zeitschrift Sinn und Form, so hört man, wird sie überleben. Die Zeitschrift ist das Werk eines Mannes, gegen den die Akademie sich ziemlich schäbig benommen hat: das Werk des großen Lyrikers Peter Huchel. 1971 konnte er nach langen Bemühungen die DDR verlassen, in der er seit 1962 vollkommen isoliert lebte. Von 1948 bis 1962 war er Chefredakteur von Sinn und Form. Anfang 1949 kam das erste Heft der Zeitschrift heraus; mit dem zweiten begannen bereits Huchels Schwierigkeiten mit der SED-Kulturpolitik. Hüchel dazu später:

"Aber schon nach der zweiten Nummer gab es die ersten Angriffe. Nach Meinung der Partei hatte ich zuviel Literatur aus dem Westen gebracht. Essays von Benjamin, Adorno, Horkheimer, Lukács, Herbert Marcuse, Bloch, Hans Mayer und Ernst Fischer erregten Mißtrauen. Ich brachte Bert Brechts Barlach-Aufsatz, dessen Abdruck das SED-Zentralorgan Neues Deutschland abgelehnt hatte. Damals galt in der DDR die Parole: Wer für Barlach ist, unterstützt den amerikanischen Imperialismus. Also wurde ich zu Becher zitiert, der mich beschimpfte."

An seinen Freund, den in Hamburg lebenden Schriftsteller Hans Henny Jahnn, schrieb Huchel 1952: "Dazu kommt, daß ich seit der Übernahme der Zeitschrift durch die Deutsche Akademie der Künste nicht mehr die volle Aktionsfreiheit besitze, die ich vorher hatte. Besonders in letzter Zeit habe ich – das sei Ihnen vertraulich mitgeteilt – manches einstecken müssen, und es ist nicht immer leicht, die Zeitschrift auf der gewohnten Höhe zu halten. Ich blicke oft mit Schmerz auf die ersten beiden Jahrgänge zurück. Ich hoffe aber, daß eine endgültige Aussprache mit Becher manches klären wird."

Ulbrichts Geburtstag

Jede Nummer seiner Zeitschrift mußte er der Deutschen Akademie der Künste, später Akademie der Künste der DDR, abringen; wie schwer es ihm auch wurde, es gelang ihm, die Zeitschrift auf einem Niveau zu halten, das seinesgleichen suchte. Das gefiel Kurt Hager keineswegs: "In dem Bestreben, eine gesamtdeutsche Zeitschrift zu sein, eine Zeitschrift, die auch in Westdeutschland gefällt, eine ‚Brücke zwischen Ost und West‘, wich die Zeitschrift, der man ein hohes literarisches Niveau zugestehen muß, jahrelang sorgfältig einer entscheidenden Parteinahme für die sozialistische Entwicklung in der DDR aus."