Es begann im Februar 1990 mit einer Warnung in der Gewerkschaftszeitung Metall: "Vorsicht vor der FAP, der freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei". Die rechtsextremistische Organisation, die die Aufhebung des NSDAP Verbots fordert und 1989 ein "Komitee zur Vorbereitung der Feierlichkeiten des 100. Geburtstags Adolf Hitlers" unterhielt, bespitzele Nazi Gegner und habe eine Datei von Antifaschisten angelegt.

Zum Beweis zitierte die Gewerkschaftszeitung ein Schreiben der FAP "Interessentenbetreuung" Essen (Absender: Postlagerkarte) an ein Gewerkschaftsmitglied, das die FAP Geschäftsstelle in Hannover um Informationsmaterial gebeten hatte. Wortlaut des FAP Schreibens: "Wie wir zu unserem Bedauern feststellen mußten, sind Sie in unserer Datei als aktiver Antifaschist aufgeführt. Daher erübrigt sich wohl eine Belieferung mit Materialien unserer Partei "

Sieben Monate später, im September, erhielt Göttingen. Karl Polacek, FAP Führer in Niedersachsen, widersprach: "Wir sammeln keine Daten von Nazi Gegnern und bestätigte zugleich: " sondern Daten über den weiten Kreis der Feinde des, Deutschen Volkes, über die Drahtzieher und deren gewalttätige Lakaien Die gesammelten Daten dienten "zur Feindabwehr, aber auch dazu, Straftaten später entsprechend zu bestrafen". Wer ein gutes Gewissen habe, brauche "ja auch nichts zu fürchten", schrieb Polacek und unterzeichnete: "Mit vorzüglicher Hochachtung Alles für Deutschland".

Zu diesem Zeitpunkt hatte er längst zugeschlagen. Am 14. Juli vergangenen Jahres griffen Polacek und seine Leute, bewaffnet mit Leuchtspurmunition und einer Axt, während einer Demonstration gegen die ständigen Überfälle von Rechtsextremisten auf das Göttinger Jugendzentrum eine Gruppe von demonstrierenden Frauen an. Polacek traf eine der flüchtenden Frauen mit der Axt am Kopf, sie mußte ins Krankenhaus. Der FAP Führer wurde festgenommen, befand sich aber schon am nächsten Tag wieder auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, allerdings nicht wegen versuchten Totschlags, sondern nur wegen schwerer Körperverletzung. Für den zuständigen Göttinger Staatsanwalt Hans Heimgärtner steht die Aussage des Täters gegen die Aussage des Opfers: "Die Verletzte sagt, er habe mit großer Wucht ausgeholt und zugeschlagen. Herr Polacek sagt: Ich habe nicht mit großer Wucht zugeschlagen, ich habe die Axt vor mir hergeschwungen und in der ganzen panikartigen Situation ist die dagegengelaufen "

So ähnlich beschrieb es der FAP Führer auch in einem weiteren Brief an Metall: "Wenn ich zugeschlagen hätte, dann wäre das Chaotenweib im roten Kommunistenhimmel wach geworden Er schildert seine Tat so: "Wir haben nicht angegriffen, sondern eine aidsverdächtige linke Schmuddel spuckte in meinen Wagen. Es kam kein Axtangriff, sondern das blöde Weib rannte in mein Beil, mit dem ich gerade an ein Punkerauto gehen wollte "

Schon in seinem ersten Brief an Metall hatte Polacek offen erklärt: "Ich kann Ihnen bestätigen, daß nicht nur ich, sondern auch alle anderen Kameraden an einem oder für einen Datenspeicher arbeiten. Das machen fast alle rechten Organisationen Besonders der Austausch der Daten sei sehr ergiebig gewesen, bestätigte er und drohte: "Wir sammeln nicht nur Namen und Anschriften, sondern alle Informationen über die betreffenden Personen, sowie Fingerabdrücke und Lichtbilder, wenn diese nicht vorhanden sind, werden Phantomzeichnungen angefertigt "

Die Göttinger Staatsanwaltschaft sieht darin nichts Illegales. Sie stellte ein bereits eingeleitetes Verfahren ein. Da die Daten aus jedermann frei zugänglichen Quellen beschafft worden seien, liege kein Anhaltspunkt für eine Straftat vor, erklärte Staatsanwalt Heimgärtner. Dies bezog er auch auf Fingerabdrücke: "Wenn Sie eine Bierflasche haben und Sie machen mit Schwarzpulver den Abdruck sichtbar, dann haben Sie ihn, dann können Sie das auch machen "