Von Fritz J. Raddatz

"Ich bin seit dreißig Jahren Parteifunktionär. Und ich bin viel, viel weniger lang Schriftsteller. Als was soll ich mich denn nun auffassen?" Hermann Kant

Eine so peinigende wie peinliche Dokumentation; peinlich vor allem für den Hauptakteur der Farce: Hermann Kant, weiland Präsident des DDR-Schriftstellerverbandes, nun bloßgestellt als feiler Höfling. Das schmale Bändchen wird allein dadurch zum Tribunal, daß neun renommierte ehemalige DDR-Autoren ihre Namen als Herausgeber zur Verfügung gestellt haben. Derlei wird üblicherweise praktiziert, um eine Art Kronzeugenschaft zu geben; in diesem Fall vis-à-vis denunziatorischer Klein-Ferkeleien namenloser Funktionäre und des einen namhaften, zu benennenden Wasserträgers der Macht. Den Makel wird er nicht mehr los.

Das Buch gibt die – von Joachim Walther im Verbandsarchiv aufgefundenen – Protokolle des Ausschlußverfahrens gegen neun prominente DDR-Schriftsteller vom Juni 1979 wieder: Kurt Bartsch, Adolf Endler, Stefan Heym, Karl-Heinz Jakobs, Klaus Poche, Klaus Schlesinger, Rolf Schneider, Dieter Schubert und Joachim Seyppel. Mit Ausnahme der noblen Plädoyers gegen den Ausschluß von Stephan Hermlin, Christa Wolf, Ulrich Plenzdorf und Franz Fühmann fand sich eine schmähliche Mehrheit für den Einpeitscher Kant.

Wenn der sich in der soeben erschienenen Nummer der Zeitschrift neue deutsche literatur (12/1990) bemitleidet – "Das ist keine Zeit, in der man ermutigt wird, die ernsthafte Selbstprüfung auch öffentlich zu machen", weil man ja schon in die Bredouille käme, behauptete man, "die Schulspeisung war eigentlich ganz gut" –, dann würde man doch ganz gerne wissen: Wie ist jemandem zumute, liest er heute nach, wie er Kollegen hat über die Klinge springen lassen (nach den eigenen Unrat-Worten über Kunze oder Biermann).

Im Moment reagiert Kant auf-zwei Wegen; per Anwalt und als schlechter Schriftsteller, der er immer war. Per Anwalt beruft er sich auf sein Urheberrecht an dem unveröffentlichten Text (wogegen der Rowohlt Verlag Kants keineswegs in geschlossener Mitgliederversammlung, vielmehr nachweisbar vor vielen "Gästen", vom Minister bis zur Stasi, vorgetragenes Referat als "öffentliche Rede" ansieht).

Hohles Blech