Bis zu fünf Mark kostet die Erhaltung eines Loipenmeters. In Österreich kassiert man nun mancherorts beim Langläufer. Die Schweiz überlegt ähnliches.

Im vergangenen Winter preschte Leutasch in Tirol als erster Ort mit einer Loipengebühr vor. Jetzt folgen die Nachbargemeinden Seefeld und Scharnitz sowie Faistenau in Salzburg diesem. Beispiel. Sie kassieren von den Langläufern 20 bis 30 Schilling (etwa 3 bis 4,30 Mark) pro Tag beziehungsweise 100 (Faistenau) bis 350 (Raum Seefeld) Schilling (15 bis 50 Mark) für eine Saisonkarte. Walter Frenes, Fremdenverkehrsdirektor in Seefeld, wo 1964 und 1976 die Langlaufwettbewerbe der Olympischen Spiele abgehalten wurden, jedoch betont: „Keiner, der schon etwas zur Erhaltung der Loipen beiträgt, wird nochmals zur Kasse gebeten, darunter der in der Region wohnende Urlaubsgast.“

Die von Leutasch initiierte Gebühr soll zweierlei bewirken: zum einen die Kosten für die teure Infrastruktur Langlaufloipe mildern, zum anderen das kaum eine Autostunde von München entfernte Langlaufgebiet – Leutasch steht mit Seefeld und Scharnitz im Loipenverbund – von Tagesbesuchern entlasten.

In der Schweiz verhindert bislang die rechtliche Situation eine Loipengebühr. Erst nach Änderung der gesetzlichen Grundlage werde man, laut Schweizer Verkehrszentrale, von „Tagespendlern aus den Städten“ einen Beitrag zur Loipenpflege erhalten.

Wer auf schmalen Brettern durch die Natur gleitet, übersieht, daß die Spur nicht von den Vorläufern, sondern von einem 200 000 Mark teuren, reparaturanfälligen Gerät stammt. Im Raum Seefeld kosten 120 Loipenkilometer rund 600 000 Mark jährlich. Die Hälfte davon entfällt auf den Maschinenpark, über 30 Prozent auf Personalkosten. Immerhin 17 Prozent (100 000 Mark) kosten Entschädigungszahlungen für Grundeigentümer. In vielen Gemeinden Österreichs, wie im nordischen Zentrum Ramsau am Dachstein, werden nur deswegen von Langläufern keine Gebühren verlangt, weil sonst die Grundeigentümer ebenfalls auf Entschädigungen bestehen würden.

Nachdem in einem neuen Salzburger Gesetz erstmals die zwangsweise Nutzung von Flächen, die „im öffentlichen Fremdenverkehrsinteresse“ stehen, vorgesehen wurde, revanchieren sich die Bauern von Faistenau mit der Forderung nach Geld für die Loipennutzung: mit rund 20 Pfennig pro Meter übrigens nur ein Drittel des Preises, der in Seefeld bezahlt wird. Da der Fremdenverkehrsverband, wie fast überall Erhalter der Langlaufspuren, nicht zahlen konnte, verfiel man auf die Gebührenidee.

Andernorts wird schon seit vielen Jahren von Langläufern stillschweigend kassiert. Zum Beispiel auf der Postalm bei St. Gilgen: zuerst die Straßenmaut, 30 Schilling (etwa 4,30 Mark), dann 20 Schilling (3 Mark) für die Loipenbenutzung. Desgleichen auf der Hebalm in der Südsteiermark, wo der Privatbesitzer, die Malteser Forstverwaltung, seit Jahren für 25 Loipenkilometer „Eintritt“ verlangt: Die Tageskarte kostet 30 Schilling (4,30 Mark), die Saisonkarte 350 Schilling (rund 50 Mark), Kinder zahlen den halben Preis.

Sehr häufig bedient man sich in den Wintersportorten einer freundlichen Aufforderung, um die Kosten für die Loipen wenigstens teilweise wettzumachen. Die Orte der Pongauer Sonnenterrasse, Goldegg und St. Veit, meldeten im Winter 89/90 300 verkaufte Langlaufabzeichen à 100 Schilling (14 Mark). Mariapfarr im Salzburger Lungau konnte immerhin 60 000 Schilling (8600 Mark) erlösen (die Plakette à 50 Schilling/7 Mark). „Freiwillig“ sind derzeit auch (noch?) die Spenden für Abzeichen im Raum San Bernadino und für die Engadin-Marathon-Strecke in der Schweiz. Im Goms, dem obersten Teil des Schweizer Rhonetals, ist die Loipenabgabe in einer Pauschale für die Benutzung der Furkabahn, Gepäcktransport und -aufbewahrung eingeschlossen. Laut Schweizer Verkehrszentrale kann jedoch, auch wer diese Pauschale nicht kauft, die Loipen frei benutzen.

Während die Pistenpflege im Skipaß „versteckt“ wird, wirkt der Loipenschilling als Eintrittspreis in die Natur: Für die Zukunft wären nicht nur dem Fremdenverkehrsdirektor Frenes andere Formen des Inkassos lieber: etwa Parkgebühren im Umfeld der Loipen, wie sie unter anderem das oberösterreichische Langlaufzentrum Hochficht im Böhmerwald erhebt (15 Schilling/2 Mark). Denn schließlich sollen nicht nur Abgase und Müll als Dank für die Nutzung Zehntausender Loipenkilometer in den Orten bleiben. Fred Fettner