Lothar Späth ist, was immer noch kommen mag, politisch am Ende. Der baden-württembergische Ministerpräsident mag die erste Welle der Affäre, die von seinem lockeren Verhältnis zur Industrie und deren Managern aufgewühlt wurde, eben noch überstanden haben. Aber jede weitere Enthüllung, jede Sitzung des angekündigten Untersuchungsausschusses wird – gut ein Jahr vor der nächsten Landtagswahl – neuen Erklärungsbedarf zeitigen. Und dies in einer Sache, die sich überzeugend gar nicht erklären läßt.

Am Rande eines Strafverfahrens gegen einen Manager kam heraus, daß Späth sich von diesem zu teuren Vergnügungen hatte einladen lassen. Auch hatte der Gastgeber, was Späth nicht anzulasten ist, die Kosten dafür aufs Firmenkonto buchen lassen. Doch die Tatsache, daß die zuständigen Staatsanwälte diese Späth-Benefizien nicht in die Anklageschrift gegen den Industriellen aufnahmen, vielmehr meinten, dies seien regelrechte Betriebsausgaben zwecks politischer Beziehungspflege gewesen, rückt das Regiment des Ministerpräsidenten wiederum ins Zwielicht. Man weiß nicht, worüber man mehr staunen muß: über die – durch welches politische Klima eigentlich angeregte? – Großzügigkeit, mit der Staatsanwälte ihre leitenden Politiker zu decken versuchen, oder über den Zynismus, mit dem Justizbeamte – durch welche Erfahrungen eigentlich geprägt? – ihre Vorgesetzten als Gegenstände der Landschaftspflege steuerlich veranlagen.

Nicht nur großzügige Einladungen hatte Späth akzeptiert, sondern auch allerlei Dienstleistungen. Ohne häufige Beanspruchung von privaten Firmenflugzeugen ist, will man Späth glauben, das Schwabenland schlechterdings nicht zu regieren. Auch nicht ohne standesgemäße Erholung?

Man sollte sich ohnehin am besten zu nichts einladen lassen, was man nicht genausogut selber bezahlen könnte. Amtsträger freilich sollen ihr Privatleben ganz aus eigener Tasche bestreiten. Wenn der Staatshaushalt das Geld für besonders hektische politische Umtriebe nicht hergibt, ist dies als die parlamentarisch gewollte Grenze für das Handeln des Ministerpräsidenten zu akzeptieren. Schließlich kommt es nicht darauf an, ob ein Politiker sich tatsächlich in seinen Entscheidungen von Gönnern abhängig macht, sondern allein auf die bloße Möglichkeit des bösen Scheins. Und der muß entstehen, wo Politik und Wirtschaft derart distanzlos miteinander verkehren. Schon Max Weber schrieb: „Distanzlosigkeit, rein als solche, ist eine der Todsünden jedes Politikers.“

Seinen politischen Höhepunkt hat Späth hinter sich, seit er 1989 vom Kanzlersturz munkelte, ohne ihn zu wagen. Jetzt wankt er einem traurigen Tiefpunkt entgegen. Wie lange will, wie lange kann er diesen Weg bis zum bitteren Ende fortsetzen? R. L.