Pedro kennt die bizarr geformten Granitspitzen der drei majestätischen Felsentürme des Paine-Massivs, deren Wände bis 2950 Meter steil hinaufragen, nur aus der Vogelperspektive. Der ehemalige Pilot der chilenischen Luftwaffe fliegt Touristen von Punta Arenas um das Kap Hoorn. Über der Magellanstraße schütteln heftige Böen die zweimotorige Cessna. Dichtbewaldete Berghänge ragen nahtlos aus dem Meer auf. Eine Zone nackten, schwarzen Gesteins schließt sich an, der weißglitzernde Zinnen ewigen Eises folgen. Dichte Wolkenschleier am Horizont verhindern den Weiterflug zur Südspitze Feuerlands. Am Fuße der Darwin-Kordillere dreht die Maschine ab, drückt ihre Schnauze nach unten. Nur hundert Meter unter uns, eingebettet in üppige Vegetation, klaffen die mächtigen Spalten und Risse des Marinelli-Gletschers – für Kenner der wunderbarste Eisstrom der Welt. Smaragdgrün, azurblau und nebelgrau funkelnd, schiebt sich der riesige, tiefgefrorene Fluß träge einen Meter pro Tag fort.

Gunther Plüschow, der 1927 als erster den Gletscher überflog, hatte Brennstoff für nur drei Stunden und keine Funkausrüstung an Bord. Sein Silberkondor, ein Heinkel-Segelflugzeug mit BMW-Motor, umrundete nach mehreren Zwischenlandungen das Kap Hoorn und landete schließlich wohlbehalten im argentinischen Ushuaia. Er unternahm Forschungsreisen aus der Luft, drehte Landschaftsfilme und transportierte die erste Post von Buenos Aires nach Punta Arenas. Vielleicht hatte der Pionier der Luftfahrt in der Neuen Welt vom Calafate-Strauch gekostet. Wer von der heidelbeerähnlichen Frucht ißt, so behaupten die Patagonier, wird dem Zauber ihres Landes erliegen und immer wieder dorthin zurückkehren.