Von Harry Maier

Mit der Einführung der D-Mark in der ehemaligen DDR kamen deren Unternehmen in die Situation von Nichtschwimmern, die plötzlich in die stürmische See gestoßen werden. Buchstäblich über Nacht waren Manager gezwungen, von der Plan- in die Marktwirtschaft umzusteigen – eine historisch einmalige Herausforderung. Zwangsläufig fehlten ihnen Kraft und Geschick, dieser Herausforderung standzuhalten.

Trotzdem war die Einführung der D-Mark in der DDR ohne Zweifel ein Erfolg. Sie kann aber zu einem Pyrrhussieg werden, wenn nun das beträchtliche ökonomische Potential der neuen Bundesländer flächendeckend zerstört und die Möglichkeit vertan wird, es neu formiert in die gesamtdeutsche Wirtschaft zu integrieren. Dies würde die Kosten der Systemtransformation ins Astronomische steigern.

Es ist nicht wahr, daß die allermeisten Betriebe in der ehemaligen DDR Jahrzehnte gegenüber der Bundesrepublik zurückliegen, wie es gutbezahlte Unternehmensberater ständig behaupten. Entweder sind die auf beiden Augen blind, oder sie sind interessengeleitet.

Die Beseitigung der Planwirtschaft war ein Akt der Selbstbefreiung der aktiven Generation in der DDR. Sie wollte die vom Kommandosystem gefesselten Produktivkräfte in ein vereintes Deutschland einbringen. Statt dessen erlebt sie heute, wie das Produktionspotential vernichtet wird. Man sollte sich nicht täuschen – wer sich nicht mit der Spaltung Deutschlands abfinden konnte, wird kaum bereit sein, auf die Dauer mit einer gespaltenen Konjunktur zu leben.

Den Menschen in den neuen Bundesländern bietet die gegenwärtige Ökonomie im vereinten Deutschland wenig Erfreuliches. Dies trotz der Tatsache, daß sich die Realeinkommen dank eines massiven Finanztransfers erhöht haben. Doch nicht der Besitzstand, sondern die Zukunftserwartungen bestimmen das Verhalten der Menschen – und die sind für die Mehrheit in der ehemaligen DDR nicht gerade rosig.

In den alten Bundesländern floriert die Wirtschaft: beschleunigtes Wachstum, steigende Beschäftigung und eine Kapazitätsauslastung von über neunzig Prozent, die an die goldenen sechziger Jahre erinnert. Kein Zweifel, daß die Antriebskräfte dafür aus der Vereinigung Deutschlands erwachsen sind.