Das deutsche Bild im Ausland, ach! Kaum einer, der bei der Heimkehr nichts Schlimmes darüber zu berichten hätte, von Volker Rühe bis Karsten Voigt. Wenig Präsenz, wenig Profil, wenig Prestige, lautet der Befund. Die Schuldfrage ist da schnell entschieden, und so erfährt Hans-Dietrich Genscher zur Zeit eine für ihn höchst unerquickliche Mischung aus kritischer und übler Nachrede.

Die Kritik erreicht auch Genschers inoffiziellen Koalitionspartner an der Staatsspitze, Richard von Weizsäcker. Der Bundespräsident hat vergangene Woche in der ZEIT die internationale Aufregung über deutsche Drückebergerei zurechtgerückt: "Es wird sich bald zeigen, daß die Welt gar nicht wiederentdecken will, was für gute Soldaten die Deutschen sein können."

Dem CSU-Abgeordneten Günther Müller paßte die ganze Richtung nicht. "Statt uns in der Stunde der Isolation, in der deutsche Generäle in Brüssel nur noch in Zivil auftreten, um nicht angespuckt zu werden, aus der politischen Ecke herauszuführen", schimpfte er, "reitet uns der Präsident noch mehr in die Isolation hinein." Eine vereinzelte Kritik am rechten Rand? Auch der außenpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe, Ortwin Lowack, hält Weizsäckers Äußerungen für eine Bagatellisierung der Fehler der Bundesregierung.

Lowack stört auch, daß der Präsident wenig von aktuellen Überlegungen hält, durch eine Grundgesetzänderung nicht nur eine Beteiligung an UN-Friedensmissionen zu ermöglichen, sondern künftig auch die Mitwirkung an Militäraktionen wie der gegen Irak. Der 48jährige CSU-Mann hat aber doch ein wenig Verständnis: Weizsäcker habe den Krieg erlebt, das mache einen Unterschied. "Wir Jungen stehen auch in der Tradition, aber wir schauen in die Zukunft." Und da winkt halt verlockend die neue deutsche Weltmachtrolle.

Es war die Woche der Aschermittwochsveranstaltungen, von denen der schon zitierte Abgeordnete Lowack gleich zwei zu absolvieren hatte, ehe am Donnerstag auch er eine aktuelle Reise anzutreten hatte, um am Golf (die deutsche) Flagge zu zeigen: in Saudi-Arabien. Lowack ist nämlich Vizepräsident einer "Gesellschaft der Freunde des Königreichs Saudi-Arabien", die viel weniger bekannt ist als die – berüchtigte? – Deutsch-Arabische Gesellschaft, welche ihrerseits unter dem langjährigen Vorsitzenden Jürgen Möllemann durch die besondere Pflege guter Beziehungen zu Irak und Libyen auffiel. Das wiederum sahen die Saudis ungern, weshalb die Gesellschaft, der Herr Lowack nun angehört und deren Präsident der frühere CSU-Abgeordnete Hermann Fellner ist, nicht zuletzt auf saudischen Wunsch gegründet wurde. Und zwar am 10. Dezember 1990.

Natürlich wird auch sie eine Lobby sein. Sollen die Saudis künftig Leopard-Panzer erhalten, wie Möllemann dies seinerzeit schon – vergeblich – angeregt hatte? "In Absprache mit den Israelis", sagt Lowack, "warum nicht?" Schließlich wisse man nicht, ob Irak nach dem Krieg nicht weiterhin eine starke Militärmacht bliebe. Wie man sieht, wird auch in der CSU-Landesgruppe schon recht konkret über die Zeit nach dem Krieg gedacht.

Der 31jährige CSU-Abgeordnete Hartmut Koschyk, der als Generalsekretär des Bundes der Vertriebenen schon öfters von sich reden machte, ist der Meinung, der Bundestag solle umgehend eine Delegation in die baltischen Staaten schicken. Das begründet er so: Die Israelreise einer deutschen Parlamentarierdelegation sei "notwendig und richtig" gewesen. Ein "mutiges und entschiedenes Engagement" des Bundestags sei jedoch – jedoch! – auch in Europa gefordert. Im Klartext: Fahrt nicht immer nur zu den Juden, Schluß mit dem Schuldbewußtsein! Im postmodernen Neudeutsch heißt das heutzutage: Wir müssen anfangen, ein ganz normaler Staat zu werden.

Werner A. Perger