Kaum sage ich was, in diesen Zeiten, zu diesen Zeiten, schon kriege ich zwei Wörter zu hören: "Blauäugig" und "Stammtischpolitiker".

Die Leute, die das sagen, sagen das in der Hoffnung, ich würde nun die Klappe halten. Da kennen sie mich aber schlecht.

Denn diese beiden Wörter sind ja wohl das Vermuffteste, Gestrigste, Stumpfste, Dumpfste, Verbohrteste, Verschmorteste, Angegangenste, Wiedergängerischste, Ausgeblutetste, Zugemutetste, Saft-, Kraft-, Stein- und Beinloseste, Verstaubteste, an den Haaren Herbeigeklaubtetste, Uncoolste, Unhipste, Mega-Outeste, aus Leitartikeln Zusammengeklauteste, Maueste, Malleste, Alleste, Zickigste, Mickrigste, Blöde/Öde/Schnödeste, das schrägst Gesenkelte, von keines Gedanken Angekränkelte, Dümmste, Dööfste, was sag ich: das Reaktionärste, was man sagen kann.

Wenden wir uns den beiden Wörtern zu. Blauäugig: Das ist schlicht rassistisch. Ja, ich habe blaue Augen. Ich bekenne mich dazu. Entsprechend fallen meine Meinungen aus. Ich hatte mich zwar immer bemüht, sie graugrünäugig zu halten, aber nun sind sie eben blauäugig.

Aber Vorsicht. "Man kann sooo blond sein und sooo blaue Augen haben", sagt Harry Heine, "und doch so falsch sein wie ein Punier." Blauäugig. Wenn ich das schon höre.

"Sehen Sie das mal nicht so braunäugig", höre ich mich schon sagen. "Sie geheimnissen da viel zuviel hinein. Nehmen Sie sich ein Beispiel an mir. Ich seh’ das eher blauäugig."

Stammtischpolitiker: Dies ist zutiefst antibasisdemokratisch. Von den Segnungen, die der Stammtisch jenen bietet, die einen haben, ganz zu schweigen.