Die europäische Fernsehgeräte-Industrie steht möglicherweise vor dem Eingeständnis, einen sehr teuren Irrweg begangen zu haben. Mit einem Aufwand von rund einer Milliarde Mark und massiven Finanzhilfen von Regierungen und Europäischer Gemeinschaft haben die TV-Gerätehersteller unter Führung der Konzerne Thomson und Philips eine Technik entwickelt, mit der die Bilder des zukünftigen hochauflösenden Großbildfernsehens (HDTV) in die Wohnstuben übertragen werden sollen.

Doch kaum ist dieses Ziel erreicht, sind die Konkurrenten schon wieder einen deutlichen Schritt weiter. Japans und Amerikas Industrie setzen jetzt auf die Entwicklung einer digitalen Übertragungstechnik, während die Europäer noch immer mit analoger Transmission arbeiten.

Daher wird es nach Ansicht von Albrecht Ziemer, dem Technischen Direktor des Zweiten Deutschen Fernsehens, Zeit, daß die Europäer die analogen Systeme aufgeben. Diese haben zudem den Nachteil, nur per Kabel übertragen werden zu können. Die Digitaltechnik dagegen erlaubt auch die terrestrische Ausstrahlung. Ziemer sagt klipp und klar: "Die Zeit ist über die Norm der Europäer hinweggegangen."

Die Industrie dagegen glaubt, mit der Übertragungstechnik von gestern auf dem richtigen Weg in die Zukunft zu sein. Cornelis Bossers, Chef der deutschen Philips GmbH, hält den Umstieg auf Digitaltechnik für verfrüht: "Man muß abwägen, was technisch möglich und was wirtschaftlich vertretbar ist." Philips und Thomson, die sich in Europa öffentliche Hilfen zahlen lassen, hält das aber nicht davon ab, in den Vereinigten Staaten die Entwicklung digitaler Übertragungssysteme zu betreiben.

Eine Geschlechtsumwandlung möchte Friedhelm Gieske, Vorstandsvorsitzender der RWE AG, partout seinem Unternehmen verpassen. Voller Eifer versucht er, Journalisten davon zu überzeugen, daß es die RWE und nicht das RWE heißen muß. Formell hat Gieske recht, denn RWE ist keine Abkürzung mehr, sondern ein Eigenname. Und da es sich um eine Aktiengesellschaft handelt, hat der Stromriese durchaus einen Anspruch auf die weibliche Anrede.

Ursprünglich war RWE jedoch das Kürzel für Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk. Ein Werk aber ist nun mal ein Neutrum – seit eh und je heißt es deshalb: das RWE. Warum Gieske sich so in semantische Feinheiten verbeißt, liegt auf der Hand: Er hat das RWE aus der Enge des Stromkonzerns herausgeführt und fühlt sich immer dann an die Vergangenheit erinnert, wenn "das RWE" an sein Ohr dringt. Erika Martens