Der Schulkampf zu Lübeck strebt diese Woche seinem Höhepunkt zu. Am Wochenende wird er für eine Seite fürchterlich enden.

Als die Lübecker Nachrichten im September die Ergebnisse eines offiziellen Gutachtens zur Schulsituation der Stadt präsentierten, freuten sich die Eltern der einzigen Lübecker Gesamtschule: Der Zuspruch zur IGL werde weiter wachsen; die Otto-Anthes-Schulen in der Innenstadt sollten geschlossen werden, um der Gesamtschule Platz zu machen. Eine langgehegte Hoffnung der seit gut zwei Jahren provisorisch untergebrachten IGL könnte sich erfüllen – wenn die Bürgerschaft nur zustimmte.

Für jene Eltern aber, die Kinder an der Grund-, Haupt- oder Realschule des Otto-Anthes-Komplexes haben, war die Botschaft ein Schock. Ihre Schule schließen? Ja, warum denn? Sie zettelten einen Aufstand an: „Rettet die OAS!“

Zunächst versuchten sie, mit dem Schulsenator zu sprechen, ihm klarzumachen, daß sie nichts gegen die Gesamtschule hätten, aber auch nicht einsähen, warum ausgerechnet ihre Schule zerschlagen werden solle.

Das Wort „zerschlagen“ (später hieß es auch: zerstören, zertreten) mochte der Senator nicht hören. „Umwandeln“ gefiel ihm besser, „auslaufen“. Kein Schüler, der die OAS besuche, müsse die Schule verlassen, argumentierte er; bloß würde niemand mehr aufgenommen. In die freiwerdenden Räume solle sukzessiv die Gesamtschule einrücken. „Es wäre doch alles sehr einfach“, erinnert sich OAS-Sprecher York Wendland an die Worte des Senators, „wenn wir ja sagen würden.“

Doch das Nein der Eltern verfestigte sich. Fünf Klassenräume pro Jahr würden frei, aber zwölf Gesamtschulklassen würden nachrücken; bald war von Unterrichts-Containern die Rede, die für Jahre auf den Schulhof zu stehen kämen. „Wo werden unsere Kinder in den Pausen bleiben?“

Und umgebaut sollte werden. Das traf auf einen Nerv, weil die alte Gymnastikhalle der OAS abgerissen worden war; seither wird an ihrer Statt lärmend ein Hotel errichtet. Um eine neue Halle hatten die Eltern vergeblich nachgefragt; eine Gesamtschule aber, das erfuhren sie bald, sollte eine Dreifeldhalle vom Teuersten und Schönsten bekommen. Sie fühlten sich vom Senator und seiner SPD, der nicht wenige noch ein halbes Jahr zuvor ihre Stimme gegeben hatten, nicht mehr vertreten.