Was Himmlers „totale Akademie“ für die Wissenschaften bedeutet hätte, wollen wir uns lieber nicht ausmalen. Denn in der Verschrobenheit seiner Weltanschauung stand Himmler seinem Rivalen Rosenberg in nichts nach. Als Anhänger der Seelenwanderung hielt er sich für die Reinkarnation Heinrichs I., des ersten deutschen Königs (919-936). Noch deutlicher wird dies aber an Himmlers physikalischem Weltbild, das ebenfalls im „Ahnenerbe“ gepflegt wurde.

Der Reichsführer SS, der den akademischen Autoritäten – in diesem Punkt glich er seinem „Führer“ – zutiefst mißtraute, war nämlich Anhänger der Welteislehre des österreichischen Ingenieurs Hanns Hörbiger (1860-1931), des Vaters der bekannten Schauspieler Attila und Paul Hörbiger.

Die Welteislehre, die Hörbiger Ende des 19. Jahrhunderts „in bittersten Nöten der Seele“ als „ein Gesicht empfangen“ hatte, „dessen kosmische, abgrundferne Tiefe den Körper in krankhaften Schauern erzittern machte“, besagt: Alle Planeten sind mit einem Eispanzer umgeben; selbst der Mond soll einen mehrere Kilometer dicken Eismantel besitzen.

Nun weiß man heute: Eis und auch Wasser sind im Weltall durchaus vorhanden, so zum Beispiel in Kometen, die deshalb auch als „schmutzige Schneebälle“ bezeichnet werde. Was es den Astronomen jedoch unmöglich machte, Hörbigers Theorie zu akzeptieren, waren die anderen Phantastereien, die der Erfinder der „Glazial-Kosmogonie“ ihnen auftischte:

So sollte die Milchstraße aus Eisdunst bestehen, der außerhalb der Sonnenschwere gelangt war. Ja, das ganze Weltall sollte voll sein von gefrorenem Wasser, das, wenn es in die Sonne stürzte, schmelzen und verdampfen würde. Dieser Wasserdampf würde dann aus riesigen Explosionstrichtern – den Sonnenflecken – in gewaltigen Fontänen – den Sonnenprotuberanzen – wieder ausgestoßen und sofort zu Feineis gefrieren, mit dem die inneren Planeten berieselt würden, die so ihren dicken Eispanzer erhielten.

Auf der Erde würde dieser Eisstaub dann die Tropen- und Landregen verursachen, während sich Grobeisblöcke an der Atmosphäre rieben (Erscheinung der Sternschnuppen), bis sie die Hitze zum Platzen brächte. Die Millionen von Splittern kämen dann in Form von Hagelunwettern auf die Erde nieder. Hörbiger glaubte, auf diese Weise das Wettergeschehen auf der Erde mit Hilfe der Vorgänge im Weltall erklären zu können, sozusagen in Verbindung von Mikro- und Makrokosmos.

Hörbiger fühlte sich in seiner Theorie durch die Erzählungen der „Edda“ bestätigt, in welcher die Weltentstehung ebenfalls aus dem Widerstreit von Glut und Eis erklärt wird. Damit war der Bogen zur nordischen Mythologie gespannt, so daß Hörbigers Theorie, die erstmals 1912 von dem renommierten Hobbyastronomen Philipp Fauth veröffentlicht wurde, im „Dritten Reich“ eine kleine Renaissance erlebte (Hörbiger selber hat sie allerdings nicht mehr erlebt). Selbst Hitler ließ in seinen Tischgesprächen erkennen: „Ich neige der Welteislehre von Hörbiger zu.“ Aber Hörbigers rührigster Jünger wurde zweifellos Heinrich Himmler, wie Brigitte Nagel in ihren Untersuchungen nachgewiesen hat.