Von Brigitte Wolter

Ein Tisch, ein paar Stühle, ein Bett, ein Kleiderschrank – und ein Panoramablick auf den Kuhstall. Oft hat sich die im Katalog als bequem und komfortabel angepriesene, meist auch noch völlig überteuerte Ferienwohnung schlicht als Windei entpuppt. Das merkt der vertrauensselige Mieter natürlich erst dann, wenn’s zu spät ist. Wer nicht bereit ist, großzügig über Unzulänglichkeiten hinwegzusehen, sollte auf dem schnellsten Wege, in der Regel innerhalb der ersten zwei bis drei Tage, Beschwerde einreichen. Das ist relativ einfach, wenn es am Ort eine autorisierte Agentur gibt oder der Hausbesitzer in der Nähe wohnt. Lästig wird es dann, wenn man den Veranstalter in Deutschland per Einschreibebrief oder Telephongespräch informieren muß.

Mittlerweile haben sich seriöse Ferienhausanbieter immerhin dazu durchgerungen, in ihren Beschreibungen auch Negatives nicht zu verschweigen, so daß der Kunde bereits vor Vertragsabschluß erfährt, was ihn erwartet. Darüber hinaus wächst das Angebot an gut ausgestatteten oder sogar luxuriösen Domizilen. Doch die wiederum stehen nicht allen offen. Wer sich die schicke Villa mit Meerblick und Dienstboten aussucht, muß bekanntlich tief in die Tasche greifen. Nicht selten liegt der Wochenpreis um einiges höher als die Monatsmiete für die eigene Wohnung.

Auf Köchin, Butler und Chauffeur freilich kann man zur Not verzichten. Vielen ist es ohnedies wichtiger, ein – noch bezahlbares – Haus zu bekommen, das abseits der bekannten Feriendörfer mit ihren standardisierten Reihenbungalows liegt und ein bißchen mehr Persönlichkeit hat als diese. Eine Lücke, die verschiedene kleinere Ferienwohnungsspezialisten zu schließen versuchen. Sie haben oftmals Regionen im Programm, die in den Katalogen der mächtigen Konkurrenz bislang nicht auftauchen. So muß, wer für den Urlaub eine passende Bleibe sucht, sich inzwischen durch einen stetig wachsenden Berg von Angeboten ackern, und das kann gelegentlich in harte Arbeit ausarten.

Die Firma Privatours (Kaiser-Friedrich-Promenade 87, 6380 Bad Homburg, Tel. 06172/298 15) ist mit einem Katalog auf dem Markt, der den ansprechenden Titel "Urlaub für Individualisten" trägt und über Ferienhäuser in Großbritannien, Frankreich, Belgien und in der Toskana informiert. Da gibt es recht schmucklose Unterkünfte in der Dordogne oder in der Normandie, aber auch schicke Landhäuser und luxuriöse Villen an der Côte d’Azur oder im Loiretal. Die Preise für letztere sind freilich so hoch, daß das in einem Nebensatz sogar der Veranstalter bedauert: 2000 bis 10 000 Mark pro Woche.

Die französischen Inseln Oleron und Ré sind in deutschen Katalogen total unterrepräsentiert. Wer dort ein Haus mieten möchte, kann zum Beispiel auf die Dienste der in Frankreich ansässigen Vermittlerin Sigrid Saupe (Maison Nabra, F-40290 Misson) zurückgreifen. Die Wochenpreise variieren je nach Reisezeit stark, so ist ein für bis zu sechs Personen geeignetes, einfach ausgestattetes Häuschen auf der Ile de Ré, das in der Hauptsaison 1000 Mark kostet, im Mai und im Oktober für die Hälfte zu bekommen. Lesenswert sind die erstaunlich ehrlichen Anmerkungen, die sogar vor eventuell einfallenden Ameisenhorden, Hausmäusen oder vor schlecht gesicherten Gasflaschen warnen.

Auf die Bretagne und die Vendée spezialisiert hat sich die Firma La Maison (Reichsgrafenstraße 10, 7800 Freiburg, Tel. 0761/70 90 80). Selbst wenn nicht jedes Haus eine Offenbarung ist, wird dieses Sortiment vor allem Leute mit Neigung zu schönen alten Gemäuern ansprechen, so etwa die Mühle in Quimperle-Mellac in der Bretagne (pro Woche für 1080 bis 1310 Mark) oder die Wohnung in dem alten Herrensitz von Talmont St. Hilaire in der Vendée für 1280 bis 1620 Mark in der Woche.