Wo Kolb ist, kann die Hamburger W.E.T. nicht weit sein; Kennern der Szene ist das Unternehmen bekannt. Laut Dossier soll W.E.T. „nach hier vorliegenden Erkenntnissen“ Mitte der achtziger Jahre an biotechnischen Exporten in den Irak beteiligt gewesen sein. Seit März 1990 liegen dem Wirtschaftsministerium mehr Hinweise über die Mitwirkung Deutscher an der Entwicklung von B-Kampfstoffen vor. Von den Toxinen Botulin A und B ist die Rede. Der Bazillus botulinus kann rasch zum Tode führen. Welcher Art die „Erkenntnisse“ sind, die Bonn vorliegen, läßt der Bericht offen. Er geht auch nicht auf die Verdächtigungen ein, daß BND-Mitarbeiter an den W.E.T.-Aktivitäten teilgenommen hätten.

Dagegen macht das Dossier amtlich, daß der Irak mit deutscher Hilfe in die Lage versetzt worden ist, die Entwicklungszeiten für Atomwaffen von zehn auf fünf Jahre zu verkürzen.

Untersuchungsbedürftig ist, weshalb die Firma Gildemeister bis 1989 an der Fertigstellung des Militärprojekts SAAD 16 im irakischen Mossul mitarbeiten durfte, obwohl dem Wirtschaftsministerium in Bonn seit 1981 vage, seit 1982 konkretere Hinweise auf ein militärisches Raketenzentrum in Mossul vorlagen. Das für Exportgenehmigungen zuständige Bundesamt hatte diese Hinweise nicht, als es Gildemeister grünes Licht für Ausfuhren erteilte.

Die Firma Havert hat für Exporte in den Irak sogar eine Kreditbürgschaft der Bundesregierung von 2,4 Millionen Mark erhalten. Erst später stellte sich heraus, daß die exportverbürgten Teile des Geschäfts besonders konstruierte Bestandteile von Raketen waren. Bei der Beantragung der Bürgschaft ist Bonn offensichtlich getäuscht worden. Dieser Fall ist für den Abgeordneten Poppe „neben anderen Ungereimtheiten nachgerade ein klassischer Fall für einen Untersuchungsausschuß des Parlamentes“.

Wie aktiv Bonn im irakischen Kriegsgeschäft mitgewirkt hat, belegt ein Fall, den die SPD-Abgeordnete Uta Zapf in ihrer Jungfernrede vor dem Bundestag dargelegt hat: Der Möllemann-Bericht verschweige, „daß die Bundeswehr selber Ausbildungsprogramme für irakische Offiziere bis in die jüngste Zeit durchgeführt hat, nämlich von 1983 bis 1990“. Weil ihre Redezeit ablief, konnte die Abgeordnete nicht mehr belegen, wie sie in dieser Sache vom Bonner Verteidigungsministerium hinters Licht geführt worden war. Auf ihre Anfrage bei Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg, ob irakische Offiziere auch bei der im Rüstungsgeschäft tätigen Firma Dornier praktisch ausgebildet wurden, antwortete Anfang April Staatssekretär Ottfried Hennig: „Bei der Firma Dornier wurden keine Praktika der irakischen Studenten durchgeführt.“

Uta Zapf indes liegt ein Brief vor, in dem der Firma Dornier mit Datum vom 21. Oktober 1983 die Ankunft von 25 irakischen Studenten angekündigt wird, und zwar „for the Aviation Engineering Study“. Der Brief ist von Oberst i.G. Basam A.K. Askar, Verteidigungsattache in der irakischen Botschaft Bonn, Lennestraße 1, unterzeichnet. Als Absender der Namensliste der Neuankömmlinge aus dem Irak firmiert die Iraq Air Force.