Baden-Württemberg/Brandenburg

Ein Zivilbeschäftigter und Reserveleutnant der ehemaligen Nationalen Volksarmee schreibt uns zur Diskussion um den Standort des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes: Freiburg oder Potsdam?

Es ist schon verwunderlich, wenn gerade jetzt verkappte preußische Generäle auf der Hardthöhe enttarnt werden, die sich anschicken, das Barett gegen die Pickelhaube tauschen zu wollen. Die Benennung von Kasernen nach bestimmten preußischen Generalfeldmarschällen hätte diese Möglichkeit auch vordem geboten. Als Inkarnation von Preußentum und Militarismus galt seinerzeit jedoch ausschließlich der Exerzierschritt einer Armee, die inzwischen durch die Geschichte selbst besiegt worden ist.

Daß für das Problem, ob 120 Beamte und Offiziere mittelfristig in ein neues Bundesland ziehen sollen, die Frage nach dem künftigen Charakter der deutschen Streitkräfte und also dieses Staates bemüht und darum in den Altbundesländern ein Medienrummel entfacht wird, stimmt bedenklich, denn: Das Dislozierungsgebiet der Bundeswehr hat sich um ein Drittel vergrößert, während die Streitkräfte personell stark vermindert werden. Folglich muß die Armee eine neue Struktur einnehmen. Soll nun jeder Bataillonskommandeur, dessen Unterstellte vor den gleichen menschlichen Problemen stehen, ähnlich verfahren?

Hier aber geht es um mehr, denn die Verlegung einer Einheit der Bundeswehr ist nicht mit der einer unikalen Forschungseinrichtung vergleichbar. Dies ist natürlich auch eine politische Entscheidung. Und um diese zu beeinflussen, wird deutsche Geschichte und Militärgeschichte aus politischem Provinzialismus in einer Weise instrumentalisiert, die ihresgleichen sucht. Das liberale Freiburg hie – das stockkonservative, altpreußisch-militaristische Potsdam da! Liegt Potsdam nicht in der Bundesrepublik?

Auch badisches Militär trug nicht immer bürgerliche Freischärler-Mützen, und unter preußischen Pickelhauben – darunter gerade in Potsdamer Kasernen – formte sich antitotalitärer Geist, vovon (nicht nur) der erste Mann dieses Staates Zeugnis ablegen kann. Die tausendjährige Geschichte dieser Stadt, der Mark Brandenburg, Preußens und der hier lebenden Menschen ist schon gar nicht auf den „Tag von Potsdam“ im März 1933 reduzierbar, an dem der preußische Staat übrigens auch „gleichgeschaltet“ wurde. Das Edikt von Potsdam 1688 oder die preußischen Reformen gehören ebenso dazu.

Die Dynamik des Einigungsprozesses erheischt rasche, durchdachte, in die Zukunft weisende und dabei kostengünstige Entscheidungen. Daß auch zentrale militärische Einrichtungen in die neuen Bundesländer verlegt werden müssen, liegt in der Natur der Sache und kann von niemandem, der die staatliche Einigung begrüßte, negiert werden. Es bedarf dabei natürlich eines Übergangszeitraumes, in dem an beiden Standorten sowohl an gemeinsamen als auch speziellen Forschungsaufgaben gearbeitet werden könnte und auch schon gearbeitet wird. Ob sich die Bundeswehr gerade jetzt einen Neubau in dreistelliger Millionenhöhe leisten sollte, der in Freiburg als Voraussetzung für das Verbleiben des Amtes am Ort gilt und der ausgerechnet im „Musterländle“ Arbeitsplätze sichert, ist die nächste Frage. Falls es zu einem Abzug des Forschungsamtes aus Freiburg kommt, wird die in Jahrzehnten gewachsene Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der dortigen Universität so nicht fortgeführt werden können. Dies wäre – besonders im Interesse der Studenten – bedauerlich. Allerdings vermochte es diese Zusammenarbeit nicht, dort einen unversitären Lehrstuhl für Militärgeschichte zu begründen. Im Gegensatz dazu wird die Landesuniversität Brandenburg als einzige deutsche Universität über einen solchen verfügen. Die Kontakte zu Berliner Hochschulen und Universitäten sowie ihren Instituten könnten vertieft und inhaltlich verbreitert werden. Die wissenschaftliche Kooperation mit osteuropäischen Staaten wäre über die Europauniversität zu Frankfurt an der Oder realisierbar, die von der EG mitgetragen wird und deren Gründung bereits beschlossen ist.