Siege sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Während die Amerikaner noch ihre heimkehrenden Helden bejubeln, entpuppen sich die Erfolge der „Operation Wüstensturm“ immer mehr als Fata Morgana: Die vom Golfkrieg angestoßenen Friedensbemühungen im Nahen Osten geraten inzwischen schon wieder in altbekannte Sackgassen; der durch die alliierten Schläge weitgehend entwaffnete Saddam Hussein beginnt auf jordanischen Schleichwegen mit der Wiederaufrüstung; im befreiten Kuwait waltet statt der erhofften Liberalisierung eine Vendetta gegen echte oder vermeintliche Kollaborateure.

Wohlweislich zählte die Etablierung der Demokratie in dem Scheichtum nicht zu den erklärten Kriegszielen der Alliierten. Aber für ein wenig mehr Recht und Freiheit in Kuwait haben zumindest die westlichen Koalitionäre denn wohl doch gekämpft – vergebens, wie sich herausstellt. Laut amnesty international und dem Londoner Independent sind kuwaitische Rächer kräftig dabei, den irakischen Teufel nachträglich mit dem Beelzebub der Folter auszutreiben.

Die Jagd auf Palästinenser geschieht unter den Augen der Herrscherfamilie. Im UN-Auftrag sind die al-Sabahs mit Waffengewalt als „rechtmäßige Regierung“ wiedereingesetzt worden. Nun müssen sie nur noch lernen, was Recht ist. D. B.