Von Andreas Kilb

Ein Filmregisseur träumt: Hollywood, Los Angeles, März 1991. Die Stunde der Sieger. Auf der Bühne im Großen Saal der Academy of Motion Picture Arts and Sciences stehen ein Hollywoodschauspieler und eine Hollywoodschauspielerin und verkünden die Oscar-Preisträger dieses Jahres. Bestes Drehbuch, beste Schauspielerin, bester Schauspieler, beste Regie ... und dann, kurze Stille, verbissene Mienen, der Hauptpreis: Bester Film des Jahres 1991. Ein Kuvert wird geöffnet – Achtung: jetzt! Huster, Blitzlichter, Räuspern – und eine Stimme sagt: „And the winner is ...,Bonfire of the Vanities’.“

Das ist sein Film! Sein Film ist der Gewinner des Abends! Dieser gottverdammte kleine Film gewinnt den Super-Oscar von 1991! Und er, Brian De Palma, der Regisseur von „Carrie“, „Dressed to kill“ und „Body Double“, der Meister der bösen Bilder, hat ihn gedreht!

Doch was ist das? Auf der Bühne stehen auf einmal keine Schauspieler mehr, sondern lauter Filmkritiker. Einer sagt: „Dieser Film ist ein Fegefeuer der Dummheiten.“ Ein anderer: „... ein billiger Cartoon, flach und banal.“ Und ein dritter: „Einfach peinlich.“ Unverschämtheit! Ist das etwa nicht die Oscar-Verleihung? Nein, es ist ein halbleeres Kino in New York, im Dezember 1990. Draußen auf der Straße läuft gerade eine Protestkundgebung mit vielen hundert Menschen – gegen den Film! Ein Alptraum! Wo ist der Ausgang, die Hintertür? Verschlossen. Verschlossen ...

Und so ist Brian De Palma aufgewacht.

Dies ist die Geschichte eines Mannes, der eine Autobahnausfahrt verpaßt. Genauer: eine Ausfahrt an der Stadtautobahn in New York. Noch genauer: die Ausfahrt der New Yorker Stadtautobahn, die nach Manhattan führt.

Ganz genau: Dies ist die Geschichte des Wertpapiermaklers Sherman McCoy (Tom Hanks), der in seinem schwarzen Mercedes-Coupé (48 000 Dollar) die Highway-Ausfahrt nach Manhattan verpaßt und sich mit seiner Geliebten Maria (Melanie Griffith) in die Bronx verirrt, in die Stadt der Schwarzen, in den Dschungel von New York.