Von Nikolaus Piper und Roger de Weck

ZEIT: Die Euphorie über die deutsche Einheit ist verflogen und die Frustration wächst angesichts des Desasters in den neuen Bundesländern. Waren die Währungsunion und die schnelle deutsche Einheit aus ökonomischer Sicht ein Fehler?

Henzler: Die politische Entscheidung für die deutsche Einheit war sicher richtig. Aber die Bundesregierung hätte von Anfang an viel intensiver über die ökonomischen Konsequenzen dieser Entscheidung nachdenken müssen. Den einen versprach man: Ihr werdet bald eine blühende Wirtschaft haben, ähnlich wie im Westen. Und den anderen: Das ganze kostet nichts. Damals hätten die Politiker weniger auf die Marktplätze und mehr in die heruntergekommenen Betriebe gehen müssen, um sich zu informieren. Man verließ sich zu sehr auf die Marktkräfte.

ZEIT: Hätte Bonn die Krise mit den richtigen Maßnahmen wesentlich entschärfen können?

Henzler: Im nachhinein sind wir alle klüger. Trotzdem bin ich überzeugt davon, daß die Regierung mehr hätte machen können. Vor allem hätte man sich ein realistisches Bild von der ostdeutschen Wirtschaft machen müssen, und dies wäre spätestens im März 1990 möglich gewesen.

ZEIT: Was hätte die Bundesregierung denn damals konkret machen können?

Henzler: Daß man in den Straßen- und Schienenbau und in die Telekommunikation investieren muß, so wie dies heute geschieht, war auch vor zwölf Monaten schon klar. Ebenso wußte man, daß der Mittelstand und besonders das Handwerk von Investitionen der Städte und Gemeinden leben. Also hätte Bonn die Voraussetzungen dafür schaffen müssen, daß die ostdeutschen Kommunen schnell investieren können.