Es waren einmal drei starke Fürsten, die wollten von ihren Besitztümern nicht lassen. Nach vielen Jahren des Haders aber zerfiel ihre Macht, und ein jeder beschloß, sein Zepter abzugeben an eine Königin, die fortan das geeinte Reich regieren sollte...

So mancher der 290 Delegierten auf dem Landesparteitag der bayerischen SPD mag sich vorgekommen sein wie im Märchen: Da hatten nun tatsächlich die drei Fürsten aus den Bezirken Niederbayern/Oberpfalz, Franken und Südbayern auf ihre Pfründen verzichtet und sich „Königin“ Renate Schmidt untergeordnet. Die Bundestagsvizepräsidentin wollte ihrerseits nur dann auf den Thron der Landesvorsitzenden steigen, wenn sich die weißblauen Sozialdemokraten auf eine gründliche Reform an Haupt und Gliedern verpflichteten. Denn bisher hatte das Triumvirat der Bezirksvorsitzenden das Sagen, der Landesverband war nur ein Papiertiger, der gegen den CSU-Löwen wenig auszurichten vermochte. Künftig soll alle Entscheidungsgewalt von ihm ausgehen.

Viermal – 1949, 1966, 1977 und 1985 – war die Neugliederung am Widerstand der Regionalchefs gescheitert. Es bedurfte des schlechtesten Landtagswahlergebnisses in der Nachkriegszeit (26,8 Prozent im Vorjahr), ehe die Genossen umdachten. Nun stimmten sie für das „Gesamtkunstwerk“, wie die Macher ihr Reformpaket priesen. Die agile Renate Schmidt – erste Frau an der Spitze der bayerischen SPD – soll die darniederliegende Partei aus dem Tal der Tränen führen. Die formale Macht – einen organisatorisch geeinten und finanziell gestärkten Landesverband – hat sie, fehlt nur noch ein überzeugendes politisches Programm. Es müsse mehr Demokratie gewagt werden, und meilenweit wolle sie mit ihrer Partei gehen, spornte die neue Vorsitzende die lendenlahmen Genossen an. ill