Ein Antibiotikum aus Muttermilch haben japanische Wissenschaftler des Unternehmens Morinaga entwickelt. Die von ihnen als „Lactofelicine“ bezeichnete Substanz ist Bestandteil eines Proteins, das in der nur in den ersten Tagen nach der Geburt fließenden Vormilch reichlich vorhanden ist. Deren antibiotische Wirkung ist schon lange bekannt. Lactofelicine hilft unter anderem bei Listeria-Infektionen, Lebensmittelvergiftungen und bestimmten Durchfallerkrankungen, die für Säuglinge verhängnisvoll sein können (New Scientist, No. 1765, S. 19).

Meeres- und Süßwasserorganismen können die weißen Mäuse der Labors bereits teilweise ersetzen. So nutzen Wissenschaftler Meeresnacktschnecken schon erfolgreich als Tiermodell für allgemeingültige molekularbiologische Prozesse am Nerven, andere erforschen Erkrankungen der Retina an den Augen von Zebrabärblingen, kleinen Weißfischen. Viele der neuen Experimente finden am renommierten Meeresbiologischen Labor in Woods Hole (Massachusetts) statt. Jetzt hat das Institut wegen der steigenden Nachfrage mit dem Bau eines weiteren Forschungszentrums begonnen, in dem Wassertiere in großem Maßstab gezüchtet werden können (Biotechnology, Vol. 9, No. 3, S. 226).

Mönchsgrasmücken folgen ererbten Flugrouten, wenn sie im Herbst gen Süden aufbrechen. Andreas Helbig von der Universität Heidelberg untersuchte jetzt an der Vogelwarte Radolfzell junge Vögel, bei denen ein Elternteil aus Deutschland und das andere aus Osterreich stammte. Deutsche Mönchsgrasmücken überwintern im westlichen Mittelmeerraum, österreichische hingegen ziehen nach Südosten und verbringen den Winter in Afrika. Was würden die „Mischlinge“ tun? Sie wählten den Mittelweg, was einen intermediären Erbgang bedeutet. Um dies herauszufinden, setzte Helbig die handaufgezogenen Jungen in einen Versuchskäfig. Mönchsgrasmücken zeigen im Herbst „Zugunruhe“, das heißt, sie flattern auf der Stelle und nehmen die richtige Richtung ein, auch wenn sie nicht starten können. Die ererbte Flugroute der „Mischlinge“ ergibt allerdings wenig Sinn. Sie führt über die Alpen, die die Eltern westlich beziehungsweise östlich umfliegen, und endet ausgerechnet in der Sahara. Kreuzungen zwischen deutschen und österreichischen Mönchsgrasmücken gibt es – so vermuten Biologen – gelegentlich auch in der Natur. Die Verbreitungsgebiete überlappen sich in Ober- und Niederösterreich. Einen Grund dafür, daß die Populationen nicht miteinander verschmelzen, vermutet Helbig in der Unvereinbarkeit der Flugrouten.

Julie Möller-Buchner