An den Weltbörsen blüht trotz wachsender Risiken der Optimismus

Von Udo Perina

Damit hatten weder Zinspäpste noch Börsengurus gerechnet: Während sich die Vereinigten Staaten mitten in einer Rezession befinden und sogar die großen Banken an der Wall Street laufend Mitarbeiter auf die Straße setzen müssen, boomt der amerikanische Aktienmarkt wie in den besten Wirtschaftswunderjahren. Alle Indizes, darunter der bekannte Dow-Jones-Index, erreichten in den vergangenen Wochen den höchsten Stand aller Zeiten. Nichts scheint die Euphorie der Anleger bremsen zu können, weder eine lahmende Konjunktur im eigenen Land noch dunkle Wolken über der Weltwirtschaft oder der drohende Zusammenbruch der Sowjetunion.

Im Gefolge des amerikanischen Rekordtaumels steigen auch die Kurse an den anderen Weltbörsen auf immer neue Jahresbestmarken. In Tokio verbesserte sich der Nikkei-Index innerhalb von drei Monaten um rund fünfzehn Prozent auf weit über 26 000 Punkte. Und in Frankfurt übersprang der Deutsche Aktienindex (Dax) unter dem begeisterten Beifall der Kulisse die technische Hürde von 1600.

Obwohl die Kurse bereits schwindelerregende Höhen erreicht haben, glauben viele, daß der Gipfel noch lange nicht erreicht ist. Die Sterne stehen weiterhin günstig, behauptet der Börsenastrologe Hans Gerhard Lenz. Aus der Position von Saturn, Uranus und anderen Planeten schließt er messerscharf, daß im Mai zwar eine vorübergehende Konsolidierung bevorstehe; doch dann sei die Bahn frei für eine lange Fortsetzung der Hausse. Und zum gleichen Ergebnis kommt der Münchner Chaos-Forscher Ekkehart Schwartzkopff: "Die langfristigen Oszillatoren befinden sich nach wie vor in einer gesunden Steigphase."

Skepsis und Warnungen

Auch einige Banken und Finanzunternehmen glauben an weiter steigende Aktienkurse. Sie sehen den Dow Jones in einem halben Jahr bereits bei 3300 und den Dax bei 1800 Punkten. Die Mehrheit der Profis jedoch ist vorsichtiger. Die in der ZEIT/Südprojekt-Prognose zusammengefaßten Analysen von vierzehn bedeutenden Banken und Finanzhäusern zeigen, daß eine Seitwärtsbewegung oder nur geringe Kursgewinne am deutschen Aktienmarkt in den nächsten sechs Monaten keine Überraschung wären. Und an der Wall Street sind danach sogar leichte Verluste zu erwarten.