Das mächtigste Land der Erde verliert seine industrielle Basis. Marode Infrastruktur, zunehmendes Analphabetentum und öffentliche Armut lähmen den Wirtschaftsriesen. Gelingt es den Vereinigten Staaten, den Niedergang aufzuhalten?

Amerikas Bildungswesen in der Krise

Von Christian Tenbrock

Wäre es nur Johnny! Aber mit ihm verläßt ungefähr eine dreiviertel Million Jugendliche Jahr für Jahr Amerikas Schulen, ohne das Abschlußzeugnis richtig lesen zu können.

Schon vor 35 Jahren warnte der Publizist Rudolf Flesch in seinem Buch "Warum Johnny nicht lesen kann", daß die Vereinigten Staaten international den Anschluß verlieren werden, wenn sie ihre Schulen vernachlässigen. Fleschs Prognose droht sich zu bewahrheiten. Nur wenige Kinder, so Milton Goldberg, Direktor im Amt für Bildungsforschung, "erhalten eine Erziehung, die sie auf die Anforderungen des 21. Jahrhunderts vorbereitet".

Dreizehn Prozent aller siebzehnjährigen Amerikaner gelten offiziell als Analphabeten. Einige hunderttausend junge Arbeiter wissen nicht, wie man Zahlen addiert und subtrahiert. Die amerikanische Armee, wahrhaftig kein Hort der intellektuellen Elite des Landes, muß jährlich 60 000 Freiwillige ablehnen – weil sie zu ungebildet sind.

Amerikas Schulen können ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen. Eine Nation, deren Reichtum nicht zuletzt auf den geistigen Kräften ihrer Bevölkerung beruht, läuft damit Gefahr, vielen ihrer Kinder und sich selbst viele Zukunftschancen zu verbauen. "Verstand darf nicht vergeudet werden", lautet das Motto des United Negro College Fund, einer privaten Organisation, die sich um die Bildung junger Schwarzer bemüht. Amerika aber vergeudet die intellektuellen Fähigkeiten von Millionen seiner Bürger.