Längst wäre der Golfkrieg aus unserem Bewußtsein verdrängt, wenn es da nicht noch einige ärgerliche Folgen gäbe, das Elend der kurdischen Flüchtlinge, die brennenden Ölfelder in Kuwait... Und wenn nicht die unvermeidlich nach solchen Großereignissen einsetzende Bücherflut unser erlahmendes Interesse zu stimulieren suchte.

Die Historiker werden sich vermutlich einst über die Entstehung dieses Krieges heftig streiten. Wir werden dann vielleicht noch erfahren, ob etwas dran ist an dem von Pierre Salinger und Eric Laurent insinuierten Verdacht, daß die Vereinigten Staaten im Bunde mit Kuwait Saddam Hussein zu seiner Aggression geradezu ermunterten, ihn also in eine Falle laufen ließen. Das aufsehenerregende Buch „Krieg am Golf“ – die französische Ausgabe wurde ZEIT- Lesern bereits durch Joachim Fritz-Vannahme vorgestellt (Nr. 7 vom 8. Februar 1991) – liegt jetzt in einer deutschen Ausgabe vor (C. Hanser Verlag, München 1991; 223 S., 26,– DM). War der Krieg ein Startschuß in eine „neue Weltordnung“? Dies bezweifeln die Autoren eines von der Redaktion der Blätter für deutsche und internationale Politik herausgegebenen Sammelbandes: „Krieg für Frieden?“ (Elefanten Press, Berlin 1991; 186 S., 19,80 DM). Eine erste Bilanz des Konflikts am Golf, seiner Hintergründe, seines Verlaufs und der Perspektiven, die er eröffnet, zieht ein weiterer von Gerd Krell und Bernd W. Kubbig, Mitarbeiter der hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, herausgegebener Band, „Krieg und Frieden am Golf“ (Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1991; 224 S., 9,80 DM). Merkwürdig ist, daß in dem Kapitel über „Reaktionen“ ein Land ausgespart bleibt, das wegen seiner Haltung besonders heftiger Kritik ausgesetzt wurde: die Bundesrepublik. Die von den „Bellizisten“ (welch eine Wortschöpfung) so arg gescholtenen Zweifler und Mahner – sie melden sich in einer Flugschrift zu Wort: „Ich will reden von der Angst meines Herzens“ (Luchterhand Literaturverlag, Frankfurt 1991; 122 S., 8,– DM). 43 Autoren und Autorinnen schreiben über die Empfindungen und Gefühle, Erschütterungen und Ängste, die der Golfkrieg bei ihnen auslöste – sehr persönliche Dokumente, die uns noch einmal daran erinnern, wie sehr uns dieser Krieg innerlich zerrissen hat.

Ganz nüchtern hingegen, Tag für Tag, hat Hartwig Bögeholz die Chronologie der Ereignisse zusammengestellt – vom Beginn der Invasion Kuwaits am 2. August 1990 bis zum 5. März 1991, als in Bagdad die letzten alliierten Kriegsgefangenen freigegeben wurden: „Der Krieg um Kuwait“ (Hartwig Bögeholz Verlag, Postfach 15 02 65, Bielefeld 1991; 184 S., 10,– DM). Sämtliche „VN-Resolutionen zum Nahost-Konflikt“ seit 1978, einschließlich der Resolutionen zum Irak-Kuwait-Problem, kann man jetzt nachlesen in der von Arnold Harttung herausgegebenen Dokumentation (Berlin Verlag Arno Spitz, Berlin 1991; 574 S., 59,80 DM).

Viel ist in den Tagen des Golfkriegs spekuliert worden über die Psychopathologie Saddam Husseins. Mehr und Zuverlässigeres als in dem Werk der englischen Journalisten John Bulloch und Harvey Morris, „Saddams Krieg“ (Rowohlt Verlag, Reinbek 1991; 286 S., 29,80 DM; siehe Bassam Tibi in: ZEIT Nr. 14 vom 29. März 1991), erfährt man über den irakischen Diktator, seinen Aufstieg und seine Antriebskräfte in der Biographie von Judith Miller von der New York Times und Laurie Mylroie von der Harvard University: „Saddam Hussein“ (Martin Greil Verlag, München 1991; 288 S., 28,– DM). Es waren vor allem Schülerinnen und Schüler, die in den ersten Tagen des Krieges spontan auf die Straße gingen. Für die Nachbereitung gut geeignet ist eine von Uli Jäger besorgte Sammlung von Materialien für den Unterricht: „Dimensionen des Golf-Krieges“ (herausgegeben vom Verein für Friedenspädagogik, Bachstraße 22, 7400 Tübingen; 36 S., 7,– DM). V.U.