Pleiten, Pech und Pannen gab es zuvor reichlich: Doch an diesem Donnerstag kann Verleger Hubert Burda sein eigens für den ostdeutschen Markt konzipiertes Boulevardblatt Super! Zeitung zum Stückpreis von dreißig Pfennig an den Start bringen. Freilich ist die Startauflage von 500 000 Exemplaren nicht ganz so üppig wie vorgesehen, ursprünglich sollte das Blatt mit knapp der doppelten Anzahl erscheinen – es hapert noch beim Druck: Statt der vier geplanten Druckmaschinen, die Burdas Kooperationspartner, der australische Medienmogul Rupert Murdoch, ins gemeinsame Unternehmen einbringen sollte, stehen in Vogelsdorf nordöstlich von Berlin nur drei Maschinen. Daß eine davon auf einem gebrochenen Fundament steht und deshalb auch nicht einsatzfähig ist, will Verlagssprecher Jens Meyer indes nicht bestätigen.

An der Spitze der Super-Redaktion gab es zuletzt auch vor allem Abgänge zu vermelden – so verließen mit Willi Schmidt und Wolfgang Krysohn gleich zwei Topleute das Blatt Richtung ihres alten Dienstherren, dem Springer Verlag. Sie folgten dem ursprünglichen Super-Macher Günter Prinz, der in den Springer-Vorstand zurückging.

Selbst der Super-Chefredakteur Peter Balsiger fühlte sich zuletzt bei Burda nicht mehr heimisch – er ist wohl auch auf dem Weg zu Springer. Ein alter Springer-Mann soll nun Super zum Erfolg führen: Ex-Bild-Chefredakteur Peter Bartels, der im Machtkampf mit seinem gleichrangigen Kollegen bei Bild, Hans-Hermann Tiedje, den kürzeren zog und mit einer Abfindung von gut zwei Millionen Mark das Haus verließ. Offiziell beginnt Bartels am 1. Juli bei Burda.

Der Brief, den Karl Schirner, im Vorstand der Berliner Treuhandanstalt für die Vergabe der ostdeutschen Regionalzeitungen zuständig, Ende der vergangenen Woche erhielt, muß wie ein heftiger Tadel an der Weisheit seiner Entscheidungen gewertet werden. Denn dem Zeitungsverleger Dirk Ippen, dessen Münchner Merkur-Verlag gerade den Zuschlag für den in Neubrandenburg erscheinenden Nordkurier, bekommen hatte, ist das Projekt eine Nummer zu groß. Deshalb sagte er postwendend wieder ab. Als Begründung nannte er „Ausmaß und Art der bereits getätigten Investitionen“ sowie die bereits erfolgte „Schaffung von zusätzlichen Arbeitsplätzen im Zusammenhang mit weitreichenden Expansionsplänen“. Diese Pläne hatte der bisherige Kooperationspartner, der Heinrich Bauer-Verlag, in Angriff genommen. Den Interessen des Unternehmens und seiner Mitarbeiter, so Ippen, der sich in der alten Bundesrepublik durch Aufkauf und Sanierung meist kleinerer Lokalblätter einen Namen gemacht hatte, könne „ein Großunternehmen wie zum Beispiel der Heinrich Bauer-Verlag besser gerecht werden ..., als es mir ... möglich wäre“.

Nun stehen die Hanseaten, die die Magdeburger Volksstimme übernehmen, schon wieder vor der Tür der Treuhand in Sachen Nordkurier. Um der Behörde die Entscheidung leichter zu machen, will Bauer sich sogar mit einer Beteiligung zufrieden geben. Die Treuhand könnte allerdings auch die Chance für ein Mitarbeitermodell nutzen.

Die bisher größte Auseinandersetzung um die Kontrolle eines Verlagskonzerns in Italien ist mit der Teilung der Arnoldo Mondadori Editore SpA beendet worden. Der „dreijährige Krieg“ begann, als die Mailänder Gründerfamilie Mondadori sich zerstritt und die eine Hälfte den Turiner Unternehmer und Olivetti-Großaktionär Carlo De Benedetti um Hilfe anging, dann aber den Familienstreit beendete und gemeinsam mit den wiedervereinigten Verwandten den Fernsehkönig Silvio Berlusconi herbeirief. Der ließ sich als Erzfeind von Carlo De Benedetti nicht zweimal bitten und steckte fast anderthalb Milliarden Mark für Aktienkäufe in das Abenteuer. Ebenso viel hatten De Benedetti und Freunde teils durch Einbringung der damals größten italienischen Tageszeitung La Repubblica und des führenden Nachrichtenmagazins L’Espresso, teils durch Aktienkäufe bei Mondadori riskiert.

Die wohl einzige positive Folge des Streits war ein Gesetz zur Verhinderung der Medienkonzentration: Es schränkt das Recht auf den gleichzeitigen Besitz großer Zeitungen und Fernsehsender ein. Berlusconi, der drei Fernsehsender kontrolliert, darf keine einzige Tageszeitung haben. Das erleichterte den Teilungskompromiß. Carlo De Benedetti und seine Geschäftsfreunde, nämlich Graf Carlo Caracciolo und der Verleger-Chefredakteur Eugenio Scalfari, erhalten die Tageszeitung La Repubblica, das Nachrichtenmagazin L’Espresso, ein halbes Dutzend Tageszeitungen und einen Anteil an einer Anzeigenvermittlungsgesellsschaft. Das alles zusammen bringt 1,5 Milliarden Mark Umsatz. Der Verlag Mondadori bleibt, was er früher war: der größte italienische Verlag für Bücher und Periodika mit mehr als zwei Milliarden Mark Umsatz.