Die Senior High School in Miami Beach besuchen 2100 Jugendliche aus 67 Nationen. Die zwölf- bis siebzehnjährigen Schüler einer Oberschule am Rande der Großstadt Los Angeles sprechen über dreißig verschiedene Sprachen. Amerikas Schulen sind ein Schmelztiegel von Rassen und Nationalitäten. Rund 25 Prozent aller Amerikaner gehören inzwischen einer Minorität an. Nur noch in drei der zehn größten Städte des Landes stellen Weiße die Mehrheit. Die Vereinigten Staaten werden damit zur ersten wirklich multikulturellen Gesellschaft der Welt.

Viele Immigranten können sich auch heute noch den amerikanischen Traum erfüllen und tragen damit wesentlich zur Wirtschaftskraft Amerikas bei. Vietnamesen haben an der Golfküste in Mississippi die Krabbenfischerei zu neuer Blüte gebracht; Koreaner beherrschen neunzig Prozent des Lebensmittel-Einzelhandels in New York; Chinesen gehören oft zu den besten Studenten der Eliteuniversitäten Amerikas. Aber gleichzeitig bleibt großen Teilen der Einwanderer aus Puerto Rico oder Mexiko und vielen Schwarzen der Weg aus den von Gewalt und Drogen verpesteten Ghettos versperrt. Für einen jungen Schwarzen in Los Angeles ist die Chance dreimal größer, erschossen als Student an der University of California zu werden. Dies ist eine Herausforderung nicht nur für die gesellschaftliche Entwicklung der USA. Auch die Wirtschaft Amerikas wird leiden, wenn es nicht gelingt, benachteiligte Schichten zu integrieren. Schon jetzt hat jeder dritte junge Arbeiter oder Angestellte eine schwarze, gelbe oder braune Hautfarbe. Viele sind in Armut groß geworden und haben nie eine gute Schulbildung genossen.

Frappierend ist der Zusammenhang zwischen kulturellem und sozialem Hintergrund und der Chance, mit einer besseren Bildung den Aufstieg zu schaffen. An der Styvesant High School in New York, einer der besten Amerikas, bewerben sich jedes Jahr 13 000 neue Schüler. Etwa 700 werden aufgenommen; über die Hälfte sind Asiaten. Der hohe Stellenwert, den Bildung in fast allen asiatischen Gesellschaften genießt, intakte Familien und der unbedingte Wille der Immigranten, ihren Kindern eine bessere Zukunft zu verschaffen, sind für Styvesant-Direktor Abraham Baumel die wichtigsten Gründe für den Erfolg seiner koreanischen, japanischen oder indischen Schüler.

Schwarze Ghetto-Kinder aber, deren Eltern und Großeltern schon in Hoffnungslosigkeit aufwachsen mußten, so meint Baumel, „haben keine große Chance“.