Die Geschichte läßt sich in einem Satz zusammenfassen, der gleich auf der ersten Seite des Romans steht: „Die neunziger Jahre werden das Jahrzehnt der Freundschaft sein. Jeder wird nur noch eine Menge wirklich guter Freunde haben. Begriffe wie Liebhaber, Partner, Ehefrau oder Ehemann wird es bald nicht mehr geben.“

Von dieser Diagnose lebt der Roman: Er beschreibt nicht weniger als das Ende des Zeitalters der Liebe. Die Zeit der großen, alles verzehrenden Leidenschaft ist vorbei, die Zeit der lange schwelenden Ehekrisen, die Zeit der haßerfüllten Trennungen mit anschließender ewiger Feindschaft und dem erbittert geführten Krieg um das gemeinsame Kind – das alles gibt es nicht mehr. Man findet zufällig zusammen, trennt sich ebenso zufällig und grundlos wieder, kommt vielleicht wieder zusammen, trennt sich erneut, und das alles ohne große Konflikte. Man bleibt in jedem Fall befreundet.

Eine solche Geschichte unmöglicher Beziehungen könnte man mit wenigen Personen und genaueren Milieustudien sehr schön und eindrücklich erzählen, aber der 1960 geborene Amerikaner Peter Cameron macht in seinem ersten Roman den Fehler, seinen erzählerischen Fähigkeiten zuwenig zuzutrauen: Er überlädt den Roman mit Personen und Handlungen. Technisch stellt das für ihn kein Problem dar: Geschickt verknüpft er die verworrenen Fäden des komplizierten Handlungsgeflechts, ohne einen davon aus den Augen zu verlieren. Aber die erzählerische Dichte leidet unter der technischen Perfektion.

Unter das bröckelnde Beziehungsgeflecht mischt Cameron gleich noch eine Kindesentführung, einen Unfall, ein kleines Erdbeben und einen vermeintlichen Mord, der sich zum Schluß als mißlungener Mordversuch entpuppt – ein bißchen viel. Marina Münkler

  • Peter Cameron:

Schaltjahr

Roman; aus dem Amerikanischen von Barbara Heller; Diogenes Verlag, Zürich 1991; 333 S., 34,– DM