Österreich will das „natürliche Dorf“ propagieren. Strenge Auswahlkriterien sollen dem Urlauber eine intakte ländliche Umgebung garantieren.

Mit der Spezialisierung des Urlaubsangebotes auf bestimmte Gruppen hat Österreich seit Jahren Erfolg. Mit ihrer Strategie, nicht den Zielort in den Vordergrund zu stellen, sondern die Angebote wie etwa Sportoffenen von Tennis bis Golf, haben die Österreich-Werber offensichtlich bei den Urlaubern ins Schwarze getroffen. Innerhalb weniger Wochen gab es zum Beispiel mehr als 150 000 Anfragen zum Thema Kinderhotels.

Ein ähnlich großes Interesse wird auch für ein Projekt erwartet, das derzeit in Wien und den Bundesländern ausgeheckt wird. Österreich versteht sich zwar insgesamt nicht als Insel der Umwelt-Seligen, doch vollen die Touristiker eine Reihe von kleinen Orten ausfindig machen, in denen sich Touristen mit den Wunsch nach Urlaub in intaktei Umgebung wohl fühlen können.

Derzeit werden die Kriterien erarbeitet, die ein Ort erfüllen muß, wenn er als „natürliches Dorf“ eingestuft werden will. Zu den Mindestanforderungen gehört zunächst ein ausgewogenes Zahlenverhältnis zwischen Gastgebern und Gästen. Das Dorf soll nicht nur überschaubar sein und im Schnitt rund tausend Bewohner haben, die Zahl der Gäste, die dort ihre Ferien verbringen, soll diese Zahl auch nicht übersteigen.

Mammuthotels dürfen auf keinen Fall in solch einem Ort stehen. Maximal 200 Betten, so die Vorstellungen, kann ein Hotel in einem „natürlichen Dorf“ in Österreich haben. Hochhäuser sind ebenso unerwünscht wie Flachdachbauten im Zentrum, wo ein gewachsener Mittelpunkt Treffpunkt für Urlauber und Einheimische sein soll. Eine große Zahl von Zweitwohnungen ist ebenfalls verpönt.

Aber auch die Infrastruktur muß stimmen. Industrie, von der Luftverschmutzung ausgeht, darf in Dorfnähe nicht angesiedelt sein, denn reine Luft und saubere Gewässer sind weitere Voraussetzungen, damit sich ein Ort „natürliches Dorf“ nennen darf.

Eine umweltgerechte Ver- und Entsorgung wird den Bewohnern ebenso abverlangt wie Energieeinsparungen. Keine in Plastik verpackten Frühstücksportionen aufzutischen gilt als Selbstverständlichkeit. Der Gast soll auf frische Produkte der örtlichen Landwirtschaft zurückgreifen können, die ihm ohne Umweg über die Lebensmittelindustrie serviert werden.