Rückblick Die Tragödie der Kurden

War es bereits der erste Schritt zu einem selbstverwalteten Kurdistan, oder handelte es sich um einen „Pakt mit dem Teufel“? Das Autonomie-Abkommen zwischen Saddam Hussein und Dschalal Talabani, dem Führer der Patriotischen Union Kurdistans, stößt bei der Anti-Saddam-Koalition auf große Skepsis.

Das Regime in Bagdad, das schrittweise seine Macht stabilisiert, bekam denn auch gleich weiter Oberwasser. Nach der Einigung entfalle nun jede Rechtfertigung für die weitere Präsenz ausländischer Truppen im Lande, hieß es in der Hauptstadt. Doch die irakische Opposition weiß, was von Saddam Husseins Zusagen zu halten ist. Schon einmal hatte er den Kurden Autonomie versprochen; 1988 richtete er unter ihnen ein Giftgas-Massaker an.

Die militanten kurdischen Gruppen, allen voran die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), werden sich ohnehin nicht mit einem Autonomie-Status zufriedengeben. Mißtrauisch reagieren auch die Flüchtlinge in der irakisch-türkischen Grenzregion. Lediglich tausend Kurden sind bislang in die von der irakischen Regierung geduldete Schutzzone östlich von Sachu zurückgekehrt. Dort errichten die Alliierten das erste Übergangslager, das 25 000 Heimkehrern Obdach bieten soll. Das Regime in Bagdad hat inzwischen seine Streitkräfte aus Sachu abgezogen. Doch die Angst vor irakischen Geheimpolizisten trieb Tausende Kurden, die schon mit dem Abstieg aus den Bergen begonnen hatten, wieder zur Umkehr.

Die EG-Außenminister schlagen deshalb weitere Sicherheitsgarantien vor: Eine leicht bewaffnete Polizeitruppe soll neben zivilen Helfern der Vereinten Nationen die alliierten Soldaten nach ihrem Abzug ersetzen. Über eine deutsche Beteiligung, so erklärte Bundesaußenminister Genscher diplomatisch, müßte dann die Bundesregierung entscheiden. J.A.