Die deutschen Kreditinstitute melden Milliardengewinne. Dennoch wird in den Frankfurter Vorstandsetagen der Banken lamentiert. Der Grund: Die einst so unkritischen Sparer werden zunehmend preisbewußter, wenn es um Konditionen und Anlageformen geht. Immer mehr Sparer schichten ihr Vermögen in lukrativere Anlageformen um, und immer mehr Anleger verlangen Sonderkonditionen für ihr Erspartes. Eigentlich dürfte dies niemanden wundern; während in der Hochzinsphase Anfang der achtziger Jahre immerhin bis zu fünf Prozent für Spareinlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist gezahlt wurden, wirkte sich der Zinsanstieg der vergangenen zwei Jahre praktisch kaum auf die Sparzinsen aus. Viele Sparkassen zahlen nach wie vor 2,5 Prozent, nur selten 3 Prozent. Und unter den big five bietet einzig die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank mit 3,5 Prozent etwas bessere Konditionen für das Standard-Sparbuch an.

„Bonifizierung“ lautet denn auch das Stichwort, mit dem die Institute ihre unzufriedenen Kunden bei der Stange halten wollen. Solange der Kunde nicht meckert, gibt es zwar Zinsen im Miniformat. Bei Reklamationen wird jedoch schnell ein Aufschlag gewährt. Und so können selbstbewußte Kunden mit mindestens 10 000 Mark Sparguthaben heute sechs Prozent und mehr mit ihrem Institut aushandeln. Doch dieses Feilschen um Zinsen liegt längst nicht jedem Anleger.

Die Jahresbilanz der Bundesbank belegt, daß die Kunden zunehmend ihr Geld in andere Anlageformen umschichten. Waren Ende 1989 noch 486 Milliarden Mark auf Sparkonten mit gesetzlicher Kündigungsfrist deponiert, ging das Volumen bis Ende 1990 bereits auf 468 Milliarden zurück. Und auch in den ersten Monaten des Jahres 1991, in denen viele Sparkassen ihre Standardzinsen wieder auf 2,5 Prozent gesenkt haben, hielt der Trend an.

Nicht ungern sehen es die Kreditinstitute freilich, wenn das Geld von den Sparkonten in andere hauseigene Anlageformen fließt: in Sparkonten mit wachsendem Zins etwa oder in Sparbriefe, Spar-Obligationen oder andere mehr oder minder langfristige Sparverträge. Doch viele Bankkunden sehen in solchen Offerten ihres Instituts nicht mehr das „Gelbe vom Ei“ und favorisieren statt dessen öffentliche Anleihen.

Freuen können sich deshalb Bundesfinanzminister Theo Waigel und Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling. Staatliche Anlageofferten – bis vor einigen Jahren nur von wenigen erfahrenen Investoren bevorzugt – werden zunehmend zur Geldanlage des kleinen Mannes. Probleme beim Kauf von Staatsanleihen gibt es kaum. Jedes Kreditinstitut ist zur Vermittlung solcher Papiere verpflichtet – wobei freilich nur wenige Bankberater ihr Zähneknirschen bei entsprechenden Kundenwünschen unterdrücken können.

Attraktiv sind die Staatspapiere allemal. Bundesschatzbriefe zum Beispiel laufen wahlweise sechs Jahre bei jährlicher Zinszahlung oder sieben Jahre bei Zinsansammlung. Und bereits nach einem Jahr kann der Sparer mühelos und ohne jegliches Kursrisiko an sein Geld. Mit einer im Laufe der Jahre von 7,5 auf 9,0 Prozent steigenden Verzinsung sind Minister Waigels Papiere im Vergleich zu den Bank-Offerten Renditerenner.

Auch für kurzfristig denkende Sparer hat der Bundesfinanzminister interessante Angebote parat. Wahlweise ein oder zwei Jahre laufen die Finanzierungsschätze des Bundes, die bei jeder Bank oder Sparkasse für mindestens 1000 Mark Nennwert gekauft werden können. Damit sich niemand die Mühe mit der Zinsberechnung machen muß und damit es auch keinen Streit wegen der möglichen Berechnungsmethode gibt, sind die Papiere gleich abgezinst. Das bedeutet: Der Anleger bezahlt weniger als den Nennwert der Papiere. Und die Renditen für diese Papiere sind ebenfalls sehr attraktiv: 8,25 Prozent für einjährige und 8,75 Prozent für zweijährige Finanzierungsschätze.