Kein Zweifel, der Mann ist ein Polemiker. Doch gerade das hat ihn bekannt gemacht: Hans Dieter Meyer, exponiertester Kritiker des deutschen Versicherungswesens, kippt seit Jahren Kübel voller Spott und Schimpf über der Branche aus. Das Geschäft der großen Versicherungsgesellschaften bezeichnet er als „das größte und bestorganisierte Wirtschaftsverbrechen aller Zeiten“, die zuständigen Vorstandsmitglieder als „Vampire“. Ganz allgemein sind Lebensversicherungen für ihn „legaler Betrug“.

Sieht man einmal von Meyers rüder Polemik ab, so bleibt doch eine diskussionswerte Analyse des deutschen Versicherungswesens zurück. Meyer habe im Kern seiner Kritik oft recht, urteilt etwa der Kapitalmarktanalyst Heinz Gerlach. Jahrelang nahm kaum jemand den Außenseiter richtig ernst; doch heute stoßen seine Thesen selbst bei konservativen Wirtschaftswissenschaftlern auf Interesse.

Vor kurzem ist nun ein neues Buch des Hamburgers erschienen:

  • Hans Dieter Meyer:

Das Versicherungs(un)wesen

Heyne Verlag, München 1990; 376 S., 38,– DM

Meyer wurde 1936 in Lüneburg als Sohn eines Allianz-Generalvertreters geboren. Nach dem Jurastudium übernahm er zunächst die Agentur des Vaters in Lüneburg. Doch nach zehn Jahren kam es zum Bruch: Meyer verließ die Allianz, und aus dem einstigen Generalvertreter wurde der härteste Kritiker des deutschen Versicherungswesens. 1982 gründete Meyer den Bund der Versicherten e. V. in Hamburg, eine Verbraucher-Organisation, die er noch heute als Geschäftsführer leitet.