Das volle Ausmaß des verheerenden Schadens, den der Wahlausgang in Rheinland-Pfalz angerichtet hat, läßt sich noch nicht überblicken. Noch steckt den Verlierern der Schock so schwer in den Gliedern, daß an Schadensbegrenzung nicht zu denken ist.

Zu den für die CDU fatalen Folgen zählt ja nicht nur der Verlust der Bundesratsmehrheit, sondern auch der trostlose Zustand einer FDP, die ihre Treueschwüre verleugnen und sich den neuen Männern in Mainz an den Hals werfen muß. Folglich traut der FDP auch die Bonner CDU nicht mehr über den Weg und muß ihr notgedrungen schöne Augen machen. Das wiederum setzt sie den furchterweckenden Drohungen ihrer Münchener Schwester, der CSU aus, von ihr notfalls im Stich gelassen zu werden.

Und wer hat diesen ganzen Schlamassel angerichtet? Liegt die Schuld bei der Bundes-, der Landespolitik oder gar beim notorisch fiesen Wahlkampf der SPD?

Nach gründlichen Ermittlungen bleibt der Tatverdacht am Todfeind aller Wahlverlierer hängen: am Wähler! Als Tatwaffe, mit der das Opfer aus dem Amt geschossen wurde, kommt nur der Stimmzettel in Frage, als Tatort natürlich die Wahlzelle. Nun fehlt eigentlich nur noch das Motiv. Klarer Fall: Rache aus enttäuschter Liebe! Der Typus des Rache-Wählers ist bei allen Parteien bekannt und gefürchtet. Gewöhnlich verfügt er über ein hochentwickeltes, darum leicht verletzbares Anstandsgefühl. Er selber lügt nie, beschummelt nicht mal die Steuer und macht selbst vor kleinen Tieren halt.

Durch seine Naivität und Leichtgläubigkeit neigt er dazu, auch die absurdesten Wahlversprechen für bare Münze zu nehmen. Fühlt er sich dann hinters Licht geführt – Stichwort „Steuerlüge“ –, erwachen in ihm grausame Haß- und Rachegefühle gegen seine bisher heißgeliebte Partei. Ohne Rücksicht auf die Konsequenzen ist er finster entschlossen, seiner alten Liebe den Wahlbetrug heimzuzahlen. Dazu ist ihm jedes Mittel recht. Schamlos desertiert er zum Erzfeind SPD, täuscht aber seine Stammpartei CDU über seine wahren Wahlabsichten hinweg, indem er nicht davor zurückschreckt, seinen Meinungsforscher zu hintergehen; ein besonders frevelhaftes Verbrechen.

Am Wahltag begeht er dann kaltlächelnd seinen gewissenlosen Parteiverrat, natürlich feige im Schutz der Anonymität, kann also darum auch nicht auf frischer Tat ertappt werden und hinterläßt keine beweiskräftigen Spuren.

Ohne das geringste Zeichen von Reue genießt er dann am Wahlabend die Früchte seiner verwerflichen Untat und lacht sich ins Fäustchen. Wie aber könnte sich unser Gemeinwesen vor solchen kriminellen Figuren schützen? Da gibt es nur einen Ausweg: Retten wir unsere Demokratie, indem wir sofort die Wahlen abschaffen!