Von Kerstin Kilanowski

Das wird der Flußgott Nyaminyami nie verzeihen, sagten die Tongas damals zu Anfang der fünfziger Jahre, als sie von dem ungeheuerlichen Projekt hörten: Der Sambesi, viertlängster Fluß Afrikas und Grenzgänger zwischen Sambia, Angola, Zimbabwe und Mosambik, sollte zu einem über 5000 Quadratkilometer großen See gestaut werden. Die Regierung des Landes, das zu dieser Zeit noch Rhodesien hieß, scherte sich allerdings wenig um die Warnung vor der Rache Nyaminyamis, schließlich ging es um die Gewinnung von Elektrizität.

Die Tongas, die bereits seit dem 15. Jahrhundert das Sambesi-Tal bewohnten und denen es wie vielen Bantu-Stämmen der heiligste Ort der Erde war, begehrten auf. Kurzerhand siedelten die rhodesischen weißen Herren die Tongas, ein Volk ohne hierarchische Stammesstruktur, das in losen Verbänden lebte, zwangsweise um. Tausende von Menschen wurden so von ihren Jagdgründen vertrieben. Auf einer Länge von 290 Kilometern entstand ein See – das Flußtal verschwand für immer in den Fluten. Der neue, bis zu 35 Kilometer breite Stausee riß die Gemeinschaft der Tongas auseinander: Ein Teil von ihnen lebt heute auf der sambesischen Seite, der andere in Zimbabwe.

Später war es fast, als hätte die Warnung des schlangenähnlichen Flußgottes gewirkt: 87 Arbeiter verloren während des Dammbaus ihr Leben. Kurz vor der Fertigstellung hatten die Ingenieure mit ungeheuren Wassermassen zu kämpfen, die unerwartet und unerklärlich den Sambesi herantergetobt kamen. Das war 1959.

Wer heute den Kariba-See in Nordzimbabwe besucht, wird nichts von den damaligen Kämpfen und Katastrophen ahnen. Der See ruht in einer einzigartigen Landschaft, die wie natürlich gewachsen wirkt. Vor allem an der östlichen Hälfte des Sees ist eine bizarre Wildnis entstanden mit Naturreservaten, die im südlichen Afrika ihresgleichen suchen. Trotz Flutung, trotz Zerstörung des eigentlichen Flußtals hat sich ein intaktes, artenreiches Ökosystem gebildet. Der Matusadona-Nationalpark am Südufer ist berühmt für seine großen Elefanten- und Büffelherden. Sogar das in Afrika fast ausgerottete schwarze Nashorn kommt hier noch vor. Wuchernder Seetang gibt am Ufer einen idealen Nährboden für saftige Gräser ab, die wiederum Impalas, Büffel und Zebras anziehen.

Die Naturschutzbehörde von Zimbabwe ist sich dieser Einmaligkeit bewußt: Touristen werden nur in begrenztem Umfang und mit hochqualifizierten Rangern in die Reservate gelassen. Die Übernachtungsplätze in den Camps sind preiswert – und rar. Einige Hotels in der Ortschaft Kariba und die kleinen luxuriösen Anlagen an der Sanyati-Schlucht oder bei Bumi Hills – damit ist das touristische Angebot beinahe ausgeschöpft.

Wie die meisten anderen Camps kann man auch Fothergill Island nur besuchen, wenn man sich frühzeitig angemeldet hat. Mehr als sechzig Gäste auf einmal nimmt das Camp nicht auf.