Der deutsche Aktienmarkt ist immer noch nicht wieder in das Blickfeld der internationalen Anleger gerückt. Entsprechend niedrig sind die täglichen Börsenumsätze. Sie werden getragen von inländischen institutionellen Anlegern und vom Berufshandel, hier auch unter Teilnahme ausländischer Händler.

Die deutschen Banken raten ihrer langfristig disponierenden Kundschaft vorläufig noch zum Abwarten. Es herrscht inzwischen ziemlich einhellig die Meinung vor, daß die Unternehmensgewinne in Deutschland nach einem Rückgang in diesem Jahr zwar 1992 wieder steigen werden. Dennoch sei es zu früh, daraufhin Anlagekäufe vorzunehmen. Nach Ansicht der Deutschen Bank wird der Deutsche Aktienindex (Dax) in nächster Zeit möglicherweise sogar noch einmal auf seinen Jahrestiefststand zurückfallen.

Angesichts solcher Prognosen wird es verständlich, warum die Anläufe des Dax auf einen neuen Jahreshöchststand, wie sie in der vergangenen Woche mehrmals zu beobachten waren, zum Scheitern verurteilt blieben. Bei steigenden Kursen pflegen sowohl institutionelle Anleger als auch der Handel und die „bewegliche“ Kundschaft Kursgewinne zu realisieren.

Dadurch werden verständliche Sonderbewegungen, wie sie beispielsweise bei Aktien exportintensiver Unternehmen durch den festen Dollar initiiert werden, schon nach kurzer Zeit zum Stillstand gebracht. Immerhin erweisen sich aber die Autowerte in jüngster Zeit als bemerkenswert stabil. Ebenso übrigens wie die Papiere der Großchemie, die sich allerdings auch auf eine vergleichsweise hohe Ausschüttungsrendite stützen können.

Etwas reger geworden ist das Interesse für Finanztitel. Obwohl Deutschland auf dem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der sieben wichtigsten Industrieländer noch einmal deutlich gemacht hat, aus stabilitätspolitischen Gründen nicht auf hohe Zinsen verzichten zu können, keimt in den Börsensälen die Hoffnung auf billigeres Geld in der zweiten Jahreshälfte, weil dann – davon wird ausgegangen – weltweit die Zinsen zurückgehen werden. Von den Großbankaktien fanden die der Dresdner Bank in den vergangenen Tagen die meisten Käufer. Die Aktienkurse der Bayerischen Vereinsbank reagierten positiv auf die erfolgreich abgeschlossene Kapitalerhöhung. Transaktionen dieser Art sind in der gegenwärtigen Börsenverfassung eine nicht zu unterschätzende Belastung. K. W.