Nun reden sie also: Seit vergangener Woche wird in Belfast über die Zukunft Nordirlands verhandelt. Der britische Nordirlandminister Peter Brooke traf die Delegationen der nordirischen Parteien zu Einzelgesprächen, um sich Klarheit über Ablauf und Inhalt des mehrstufigen Verhandlungsprozesses zu verschaffen. Jetzt soll dieser nordirische „Runde Tisch“ erstmals über ein neues Selbstverwaltungsmodell für die britische Provinz beraten.

Vor seinem Treffen mit Brooke brach Pfarrer Ian Paisley, der Anführer der radikalen nordirischen Protestanten, das vereinbarte Schweigen der Unterhändler gegenüber der Öffentlichkeit und donnerte in vertrauter Manier, Dublin werde niemals Mitspracherechte in Nordirland erhalten. Doch die Unnachgiebigkeit diente eher der Beruhigung der eigenen Anhänger, unter denen sich bereits die Befürchtung breitmacht, der einstige Feuerkopf Paisley sei matt und milde geworden. Als erste Hürde erwies sich die Frage, wo die zweite Phase der Gespräche – die Begegnung des Nordens mit der Regierung der Republik Irland – stattfinden soll. Die irischen Nationalisten bestehen auf einem Tagungsort in Irland, die Protestanten dagegen möchten in London tagen, solange die Republik an ihrem Gebietsanspruch auf Nordirland festhält. Übers Wochenende schallten daher die absurdesten Vorschläge durch den Blätterwald: von Rathlin Island an der Nordküste Irlands bis zu Straßburg, um dort den europäischen Geist der Versöhnung einzuatmen.

Der Streit um Symbole beweist nur, wie emsig alle Beteiligten noch Schanzen, Vorwerke und Türme um ihre Verhandlungspositionen bauen. Peter Brooke wird sein nicht unbeträchtliches diplomatisches Talent mobilisieren müssen, wenn er die wohl letzte Chance zum Frieden in diesem Jahrhundert wahrnehmen will. M. A.