Bangladesch, ein hoffnungslos überbevölkertes und armes Land, zeigt der Welt auf dramatische Weise, wo die Grenzen des Wachstums liegen. Es ist müßig, heute noch danach zu fragen, wie viele Menschen die Erde verkraftet. Vielmehr ist es notwendig, drastische Maßnahmen zu ergreifen, wenn die Bevölkerungsexplosion auf der Erde, vor allem in den Entwicklungsländern, gestoppt werden soll. Während in den Industriestaaten immer weniger Menschen geboren werden, nimmt die Zahl der Geburten in den Ländern des Südens explosionsartig zu. Das aber bedeutet: immer mehr Armut, immer größere ökologische Probleme und am Ende Chaos – für Arme wie Reiche.

Noch nie in der Geschichte der Menschheit ist die Weltbevölkerung so schnell gewachsen wie in diesem Jahrhundert. Eine halbe Million Jahre, bis 1800, hatte es gedauert, bis die Menschheit eine Milliarde zählte. Von 1900 bis heute aber hat sich die Zahl der Erdenbewohner fast vervierfacht. Das Bevölkerungswachstum beschleunigt sich immer mehr: 1900 gab es 1,65 Milliarden Menschen, 1950 waren es bereits 2,6 Milliarden, 1987 lebten schon fünf Milliarden auf dem Planeten, gegenwärtig zählen wir 5,4 Milliarden. Bis zum Jahr 1650 dauerte es 14 000 Generationen, bis sich die Menschheit verdoppelt hatte. Heute reicht dafür rund eine Generation. So werden im Jahr 2025 bereits 8,5 Milliarden auf der Erde leben. Das entspricht einer Zunahme um sechzig Prozent, gemessen am Stand von 1991. Schon heute gibt es nicht für alle Menschen genügend zu essen, es fehlen ungezählte Ausbildungs- und Arbeitsplätze, Gesundheitseinrichtungen und Wohnungen. Wasser und Energie reichen nicht mehr für alle aus. Die natürlichen Ressourcen der Erde werden knapper, die Umwelt wird von Tag zu Tag mehr zerstört.

Über die Hälfte der Erdbewohner ist jünger als zwanzig. Demnächst wird also ein Baby-Boom ohne Beispiel auf uns zukommen. Schon heute ist jeder fünfte Weltbürger ein Chinese (1991: 1,1 Milliarden), jeder sechste ein Inder (1991: 845 Millionen). Am schnellsten jedoch nimmt derzeit die Bevölkerung Afrikas zu (3,2 Prozent jährlich). Auch in Bangladesch wächst sie zu schnell, nämlich um fast drei Prozent; die Einwohnerzahl wird sich also in 25 Jahren verdoppeln. Ein beunruhigendes Beispiel liefert auch das vom islamischen Fundamentalismus bestimmte Pakistan. Beim letzten Zensus 1981 zählte es 90 Millionen Einwohner, die ersten Vorergebnisse der diesjährigen Erhebung laufen auf 140 bis 150 Millionen hinaus, in 35 Jahren werden sich dort gar 320 Millionen drängen.

Die Erfahrung lehrt, daß sich mit Zwangsmaßnahmen dieses Wachstum nicht eindämmen läßt. Vielmehr ist es notwendig, die gesellschaftliche Stellung der Frauen zu verbessern, ihnen größere Bildungs- und Verdienstchancen zu geben, dafür zu sorgen, daß mehr Kinder überleben, damit sie von vornherein nicht so viele Nachkommen zur Welt bringen müssen, schließlich sicherzustellen, daß die Menschen im Alter versorgt und nicht auf die Unterstützung der (möglichst vielen) Kinder angewiesen sind.

Dennoch wird man in Zukunft auf Zwangsmaßnahmen nicht ganz verzichten können. Es wird nämlich zu einem fragwürdigen Unterfangen, Menschenrechte einzuklagen, wenn ein würdiges Leben nicht mehr möglich ist, weil es einfach zu viele Menschen gibt. Familienplanung ist vor allem ein politisches Instrument. Wenn schon weltweit so viel Geld dafür ausgegeben wird (und es sollte künftig noch viel mehr sein), dann muß auch durchgesetzt werden, daß es effektiv verwendet wird. Denn wenn sich die Menschheit in dem gleichen Tempo weitervermehrt wie bisher, kann man sich alle Entwicklungshilfe schenken. vy.