Berlin ist schon immer eine großmäulige Baustelle gewesen, was mußte nicht ständig noch breiter und tiefer, schneller, höher und beispielhafter werden. Der Stolz machte seine Texte und Melodien dazu. Und Berlin wird eine Baustelle bleiben, in den gierigen Schlund gehen Milliarden, und Sanierungstrupps wird man wie Rote-Kreuz-Kolonnen bejubeln. Die Welt soll zusehen, welch Glanz und Gloria Fassaden, Torbogen, Hinterhöfe, Kellereingänge, Dachstühle und Kolossales schmückt. Teuer erkauft, auch dauerhafter Untergrund für Massendemonstrationen und Paradeschritte. Ob Europa dazu wenigstens mal Fähnchen schwenkt?

Er – das ist einer, der ohne Namen und Adresse redet – will den Friedhof hinter dem Haus, wo er wohnt, und dem er auf dem Klo seinen Rücken zudreht, glatt geputzt sehen, zu einer Art grüner Luftblase hergerichtet; zum Gedenken gehören ein paar verwitterte Grabsteine zwischen Bänken und Papierkörben. Alle in Mauerschluchten eingekastelten Friedhöfe müßten aus ihrer muffigen Enge heraus, damit der Boden endlich Frisches zum Verdauen kriegt. Neue Friedhöfe sollen her zu freierem Atmen. Wohin denn in Zukunft mit den Leichen?

Und ist man beim Ausschachten und Graben, da gibt es noch zugeschüttete Kuhlen beiderseits des Brandenburger Tors, wo der letzte Kampf um Berlin Opfer abgeladen hat, falls sie auf dem Vormarsch nicht mehr als Deckung gebraucht wurden.. Was sonst noch alles zu früher gehört, er meint Kaiser und Reich, Weimar und die Demokratie, Hitler und seine Volksgenossen und als letzten Gruß das Panzergerumpel der Alliierten. Das gibt doch endlosen Stoff für Archive, Bücher, Galerien, Gerichte und Filme, reichlich aufgemotzt die ganze Chose. Und was über Berlin sonst noch zu sagen wäre: „Die Berliner werden ihren Singsang dazu machen“, sagt er. „Soll Berlin doch Hauptstadt werden. Ein Nimmersatt muß gefüttert werden. Ich werde bei dem Rummel auch dabeisein, am grünen Strand der Spree, immer auf der Suche nach frischer Luft. Und der Rhein? Deutschlands Schicksalsstrom muß an Bonn, dem Regierungssitz, vorbeifließen, und die Loreley tönt dazu. Gewehr bei Fuß paßt nicht in hochgeschossene Idylle...“