Ein Frühstück wurde kürzlich dadurch berühmt, daß es nicht stattfand. Dazu offiziell eingeladen hatte Helmut Kohl die CSU-Herren Waigel und Streibl, doch kurzerhand wurden die beiden Bayern wieder ausgeladen, weil Kohl der Appetit auf dieses „Frühstück zu dritt“ vergangen war und er ein „Breakfast for one“ vorzog.

Wie sehr ihnen dieses ausgefallene Frühstück auf den Magen geschlagen ist, das merkte ich Waigel und Streibl an, als ich sie gleich danach vor der Münchener CSU-Zentrale abfing.

„Diese Frühstücksausladung ist einfach geschmacklos“, wütete Waigel. „Daß ein CDU-Kanzler mit CSU-Kollegen nicht frühstücken will, ist aktenkundig nachweisbar in 45 Jahren nicht vorgekommen.“

Streibl sekundierte ihm: „Einem Strauß gegenüber hätte er sich das nie erlaubt.“

„Nach einem ungeschriebenen Gesetz hat die CSU einen Anspruch auf monatlich mindestens zwei Kanzler-Frühstücke“, betonte Waigel.

„Mit seiner Frühstücksabsage hat Kohl die Ehre aller Bayern befleckt, denn das Frühstück ist die Hauptbrotzeit und jedem waschechten Bayern heilig“, warf Streibl ein.

„Sicherlich ist ein Frühstück mit Kohl nicht immer das reine Zuckerschlecken“ bekannte Waigel, „aber unterm Strich gibt’s immer viel zu lachen.“