Von Udo Perina

Unbedarfte Laien, so sollte man meinen, haben es an der Börse besonders schwer. Sie wissen meistens nicht einmal, was ein Kurs-Gewinn-Verhältnis ist und kaufen ihre Aktien oft zum unmöglichsten Zeitpunkt. Doch merkwürdigerweise berichten Bankangestellte, daß offenbar gerade. Neulinge eine besonders glückliche Hand beim Spekulieren haben. Genauso erstaunlich ist das oft gute Abschneiden von Aktionären, die sich bei ihren Anlageentscheidungen an Horoskopen, an der Wetterlage oder an den Rocklängen der Frauen orientieren. Hinter vorgehaltener Hand wird auch von Vermögensverwaltern berichtet, die angeblich nur deshalb erfolgreich seien, weil sie vor jedem Aktienkauf heimlich ihre Frau um Rat fragen.

Ernten an der Börse die dümmsten Bauern die dicksten Kartoffeln? Bekannt ist zum Beispiel, daß nach dem Zufallsprinzip zusammengestellte Aktienfonds bessere Ergebnisse erzielt haben als professionell gemanagte Fonds. Und in Amerika haben Aktiendepots, die von uninformierten Studenten verwaltet wurden, höhere Gewinne erwirtschaftet als Vergleichsdepots, deren Verwalter alle zugänglichen Informationen besaßen.

Sind das alles bloß Zufälle, oder verbirgt sich dahinter ein System? Versagt die Expertenkompetenz an der Börse?

Ein neues Buch versucht, eine Diskussion über die Motive und die Entscheidungsfindung von Börsenteilnehmern zu beginnen:

  • Peter Maas/Jürgen Weibler (Hrsg.):

Börse und Psychologie. Plädoyer für eine neue Perspektive